Der Begriff "Heimat" hat für die Österreicher den höchsten Sympathiewert. Das zeigt das am Freitag aus Anlaß des bevorstehenden Nationalfeiertages veröffentlichte Ergebnis einer Ende September/Anfang Oktober durchgeführten Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes Imas. Dabei war nach den Sympathie- und Antipathiewerten für insgesamt 33 Schlüsselbegriffe gefragt worden, die Signalcharakter haben und wichtige Aufschlüsse über die Denkmuster und Gefühlslagen der Gesellschaft geben können.

Nahezu sieben von zehn Befragten räumen inmitten einer sich immer mehr verklammernden Welt dem Wort "Heimat" den höchsten Stellenwert ein. Und auch die nächsthöheren Nennungen "Ordnung", "Sicherheit", "Sparen" und "Stabilität" deuten nach Ansicht von Imas auf einen starken Wunsch nach Vertrautem hin und könnten daher leicht als Ausdruck eines starren Wertekonservativismus mißverstanden sein.

Dennoch sei eine Fortschrittsfeindlichkeit oder "Schneckenhausmentalität" nicht zu befürchten. Gegen eine solche Annahme spreche vor allem die eindeutig überwiegende Sympathie für die Schlüsselworte "Modern", "Technik" sowie "Flexibilität" und "Wettbewerb". Aber die Ergebnisse würden ein gewisses Spannungsfeld zwischem Vertrautem und Neuem sichtbar machen.

Deutlich positiv besetzt sind auch die Symbolbegriffe "Arbeit", "Umweltpolitik", "Gleichheit", "Christlich", "Kirche", "Reform", "Medien" und "Werbung". "Frühpension" stößt dagegen bereits auf merkliche Barrieren: Zwar finden 24 Prozent der Befragten - in überdurchschnittlicher Zahl einfache Arbeiter, SPÖ-Anhänger und Wiener - diese Vokabel sympathisch, 21 Prozent jedoch - darunter besonders viele Personen mit höherer Bildung, Angehörige der jungen Generation, sowie Sympathisanten von ÖVP und FPÖ - verspüren dabei Unbehagen.

Auch bei einigen anderen Begriffen wie "Liberal", "Internet" oder "Gewerkschaft" kam in der Imas-Studie ein ungefähres 1:1-Verhältnis von Zustimmung und Ablehnung zutage. Überwiegend Unlust verspüren die Österreicher, wenn von "Multikulturell", "Konsumverzicht", "Europäischer Union", "Gewinnstreben", aber auch von "Koalition" oder "Vergangenheitsbewältigung" die Rede ist.

Die "Europäische Union" hat für die Österreicher dennoch einen freundlicheren Klang als "Euro", bei dem die Antipathie um 19 Prozentpunkte schwerer wiegt als die Sympathie. Ähnlich groß ist der Unmut bei den Österreichern gegenüber den Worten "Ausländer" und "Beamtentum".

Das mit Abstand stärkste Unbehagen lösen die Begriffe "Genforschung" und "Kernenergie" aus - nur rund jeder zehnte Österreicher reagiert darauf mit Sympathie, aber rund jeder zweite mit Mißbehagen.