Bratislava. Im westslowakischen Jaslovske Bohunice wird frühestens im Jahre 2025 ein weiterer Kernkraftreaktor in Betrieb gehen. Das hat Wirtschaftsminister Tomas Malatinsky klargestellt. Nach den ursprünglichen Plänen sollte das neue Kernkraftwerk schon 2020 am Netz sein. Zurzeit ist nach Malatinskys Angaben erst eine Machbarkeitsstudie in Arbeit. Der Ressortchef nennt keine Gründe für die Verzögerung. Ministerpräsident Robert Fico ließ allerdings schon mehrfach durchblicken, dass es massive Probleme bei der Finanzierung des Vorhabens gebe.

Die Konstruktionskosten werden mit 4 bis 6 Milliarden Euro veranschlagt, der Reaktor soll allein aus privaten Geldtöpfen finanziert werden. Bis vor wenigen Monaten galt als sicher, dass der tschechische Energiekonzern CEZ den Löwenanteil der Investitionen schultert. Inzwischen wird allerdings kolportiert, dass das Unternehmen künftig bei Kernkraftprojekten kürzer tritt. Außerdem soll der neue Reaktor in Jaslovske Bohunice nach Ficos Willen zu einem "überwiegend slowakischen Projekt" werden.

Das neue Kernkraftwerk soll den Block V1 auf dem Areal des Kernkraftwerks in Jaslovske Bohunice ersetzen, der im Zuge des Beitritts der Slowakei zur Europäischen Union abgeschaltet werden musste. Es wird als Druckwasserreaktor konstruiert und soll eine installierte Leistung zwischen 1000 und 1700 MW aufweisen. Seine Lebenserwartung wird auf mindestens 60 Jahre geschätzt.

Regierung Fico setzt auch in Zukunft auf Atomstrom

Kernkraftwerke sollten auch künftig "eine solide Basis der Stromerzeugung darstellen", ihr Anteil werde sogar noch deutlich wachsen, betont der Minister. Mit einem Anteil von 55 Prozent an der Stromerzeugung ist Kernkraft die mit Abstand bedeutendste Elektrizitätsquelle in der Slowakei. Zugleich will die Regierung "erneuerbaren Energien deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken, als dies bisher geschehen ist", so Malatinsky. Dabei habe Biomasse das größte Wachstumspotenzial. 2011 betrug der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in der Slowakei 11 Prozent.

Zugleich wurde bekannt, dass die slowakische Regierung die Kompetenzen der staatlichen Atomaufsicht Javys deutlich erweitern will. Danach wäre Javys als einzige Institution in der Slowakei zur Entsorgung radioaktiven Abfalls berechtigt. Allerdings soll die Atomaufsicht nicht ausdrücklich verpflichtet werden, sich tatsächlich um die Entsorgung von radioaktiven Abfällen zu kümmern. Damit sei beispielsweise ein sicherer Abbau von Block V1 in Jaslovske Bohunice völlig in Frage gestellt, monieren Umweltjuristen. Die geplante Regelung sei umso bedenklicher, als dem nationalen Fonds zur Entsorgung der abgeschalteten Blöcke A1 und V1 in Jaslovske Bohunice wegen der prekären Haushaltslage derzeit mindestens 2,2 Milliarden Euro fehlten.

Indes wurde bekannt, dass die Sicherheitsstandards der Kernkraftwerke in der Slowakei wie in Tschechien bei den Stresstests der Europäischen Union nach Fukushima als besonders schlecht eingestuft wurden. In zumindest der Hälfte der getesteten Sicherheitskategorien stellten die Prüfer erhebliche Mängel an den Standorten Jaslovske Bohunice und Mochovce sowie Dukovany und Temelin fest.