Wiener Zeitung": Wie schätzen Sie die Morde von Daillon ein?

Willy Pfund: Ich halte die Tat für einen tragischen Vorfall. Jedoch bin ich dagegen, daraus die Konsequenz in Form eines schärferen Waffenrechts zu ziehen. Denn Verzweiflungstäter und Kriminelle werden immer an eine Waffe kommen.

Sie haben einmal ein Gewehr mit einem Küchenmesser verglichen. Bestehen da nicht gravierende Unterschiede?

Insofern, dass ich mit einer Waffe eine Person aus größerer Distanz verletzen kann. 99,9 Prozent der Waffenträger sind verantwortungsbewusst. Prinzipiell ist es nicht der Gegenstand, sondern der Mensch, von dem der Missbrauch ausgeht.

Wie könnte dieser Unsicherheitsfaktor Mensch besser kontrolliert werden?

Es gibt es drei Voraussetzungen, unter denen man in der Schweiz eine Waffe erwerben kann: Man muss über 18 Jahre alt sein, nicht gewalttätig und psychisch stabil. Freiheit bedeutet auch Verantwortung. Dies impliziert ebenso für den Waffenbesitzer, die Gewehre oder Pistolen verantwortungsbewusst zu lagern und zu benutzen. Und für die Umwelt, nicht wegzuschauen, wenn der Besitzer Probleme hat.

Der Täter von Daillon stand unter Vormundschaft und wurde 2005 in einer psychiatrischen Klinik behandelt. Hat die Gesellschaft versagt?

Wenn die Bewohner von alledem wussten, ja. Dann haben sie ihre Aufgaben nicht ernst genommen. In einer freiheitlich-demokratisch organisierten Gesellschaft müssen die Bürger Augen und Ohren offen halten.

Aber wie sollen Bürger feststellen können, dass jemand psychische Probleme hat?

Wenn etwa jemand seine Frau und Kinder schlägt, ist die Notwendigkeit größer, auch in Sachen Waffengebrauch genau hinzusehen. Die Behörden sollten dann entsprechende Kontrollen durchführen.

Strengere Gesetze kommen auch angesichts der drei Millionen Waffen in der Schweiz nicht infrage?

Nein. Zudem sind über 99 Prozent der Waffen registriert; entweder über die Armee, Waffenhersteller oder Waffenhändler.

Ist die Praxis, Armeewaffen daheim zu lagern, nicht antiquiert?

Keineswegs. Niemand ist gezwungen, seine Armeewaffe nach Dienstende als Souvenir daheim aufzubewahren. Man kann diese genauso gut im Zeughaus lagern oder verschrotten lassen.

In den USA forderte die Waffenlobby NRA nach dem Massaker von Newtown Waffen auch an Schulen. Was halten Sie von dieser Idee?

Es steht mir nicht zu, dies zu kommentieren. Prinzipiell halte ich den Ansatz des Hinschauens aber für die bessere Lösung.

Zur Person



Willy Pfund

ist Präsident von "Pro Tell - Gesellschaft für ein freiheitliches Waffenrecht" in der Schweiz.