Brüssel/London/Wien. Während im Skandal um mit Pferdefleisch versetzte Rindfleisch-Produkte immer mehr Fälle bekannt werden ging am Dienstag auch die Ursachenforschung weiter. "Wir brauchen eine europaweite Datenbank, die den Weg vom Rohstoff zum Produkt lückenlos zeigt. Wir werden einen Brief mit dieser Forderung an die EU-Kommission schicken", sagte etwa Österreichs Gesundheitsminister Alois Stöger. Er kündigte eine Schwerpunktaktion an, um vor allem Fertigprodukte mit Rindfleisch vermehrt zu testen.

Bisher ist der Weg vom Rohstoff bis zum Produkt bei Lebensmitteln nur in Teilschritten recherchierbar. Gleichzeitig muss der Herstellungsprozess aller gehandelten Lebensmittel in der EU seit 2002 nachvollziehbar sein. Für die Rückverfolgungssysteme sind die Hersteller und Händler verantwortlich. Jedes einzelne Schlachttier muss, beispielsweise durch eine Marke im Ohr, jederzeit identifizierbar sein.

Beim Verkauf von Rindfleisch ist wegen der Angst vor BSE, dem sogenannten "Rinderwahnsinn", seit längerem die Angabe des Herkunftslandes vorgeschrieben. Diese Vorschrift wird 2014 auf sämtliche Fleischarten ausgedehnt. In Fertiggerichten kann sich Fleisch aus verschiedenen Herkunftsländern befinden. Bisher muss die Herkunft des Fleisches auf solchen zubereiteten Waren nicht verzeichnet sein.

Tabu Pferdefleisch

In Großbritannien und Irland waren in den vergangenen Wochen immer wieder als Rindfleisch deklarierte Burger und anderes faschierte Produkte entdeckt worden, die Pferde- aber auch Schweinefleischanteile enthielten - in Einzelfällen bis zu 100 Prozent. Zuletzt hatte die Supermarktkette Tesco in Spaghetti Bolognese Pferdefleisch entdeckt und das entsprechende Produkt aus dem Verkehr gezogen. Unter anderem wurde auch in britischen Haftanstalten schweinefleischhaltiges Essen an muslimische Gefangene verteilt. Am Dienstag hat die britische Lebensmittelaufsicht nach einer Razzia zwei Fleischverarbeitungsbetriebe in England und in Wales geschlossen.

Der Verzehr von Pferdefleisch gilt in Großbritannien und Irland als Tabu, ist aber nicht verboten. Es gibt keine Schlachter, die Pferdefleisch weiterverarbeiten. In Medien wurde vermutet, dass mit Medikamenten behandelte Pferde in die Nahrungskette gelangt sein könnten. Die Behörden gehen aber davon aus, dass keine Gesundheitsgefährdung besteht.

Ebenfalls gestern wurde bekannt, dass auch bei Fertiggerichten in Frankreich falsch deklariertes Fleisch entdeckt wurde. Das Fleisch stammte ursprünglich aus Rumänien. Es gbit bereits erste juristische Konsequenzen: Die Staatsanwaltschaft in Paris eröffnete ein Vorverfahren wegen Betrugs. In Deutschland weiteten viele Länder ihre Tests auf Pferdefleischspuren in Rinderfaschierten-Produkten aus. Geplant sind Schwerpunktaktionen, um speziell Hamburger zu überprüfen. Die EU wird sich am Mittwoch mit dem Skandal beschäftigen. Außerdem wird das Thema auch beim nächsten EU-Agrarministerrat angesprochen werden.