Berlin. Der Skandal um katastrophale Arbeitsbedingungen beim Internet-Versandhändler Amazon hat jetzt erste handfeste Auswirkungen. So hat das Unternehmen seinen umstrittenen Sicherheitsdienst gekündigt, der ausländische Mitarbeiter auf Schritt und Tritt kontrolliert hat. Die Security-Firma mit dem Namen H.E.S.S soll Kontakte zur Neonazi-Szene haben, Mitarbeiter tragen angeblich Neonazi-Kleidungsmarken und der Geschäftsführer der Firma zeigt sich auf Fotos mit verurteilten Rechtsextremen, berichtet der ARD. H.E.S.S. selbst weist Verbindungen zum Rechtsextremismus zurück.

"AmazonNeinDanke"

Amazon ist wegen ausbeuterischer Arbeitsbedingungen in seinem Versandlager im hessischen Bad Hersfeld ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Während des Weihnachtsgeschäfts sollen Leiharbeiter aus Spanien und Polen in überbelegten Ferienwohnungen untergebracht worden und schlechter bezahlt worden sein als versprochen. Der deutsche Enthüllungsjournalist Günter Wallraff, der bereits in zahlreichen ähnlichen Fällen recherchiert hat, übt heftige Kritik: "Über die Arbeiter wird verfügt wie über Leibeigene", so Wallraff, aus Zuschriften Betroffener gehe hervor, dass diese, von Kameras überwacht, schon bei kleinen Verschnaufpausen zum Vorgesetzten zitiert würden und mit Repressalien rechnen müssten. In Einzelfällen durften Wallraff zufolge Medikamente, die etwa Diabetiker brauchen, nicht mit ins Lager genommen werden. Facebook-Mitglieder rufen indes zu einem Kaufboykott bei Amazon auf. Die Facebook-Seite "AmazonNeinDanke" hatte am Montag bereits mehr als 2500 Unterstützer.

Jetzt ist auch die deutsche Tochter der niederösterreichischen Leiharbeitsfirma Trenkwalder ins Visier der deutschen Sonderprüfer geraten. Das Arbeitsministerium droht Trenkwalder mit Lizenzentzug.