Wien. Die industrielle Landwirtschaft ist für die Umweltschutzorganisation Greenpeace der Bienenkiller Nummer eins. "Die wissenschaftlichen Belege sind eindeutig: Unsere Bienen und wilden Bestäuber sind zu kostbar, um ihrem Massensterben weiter tatenlos zuzusehen. Ein sofortiges und vollständiges Verbot der Bienenkiller muss endlich folgen", fordert die Greenpeace-Sprecherin Dagmar Urban. Am Dienstag wurde ein wissenschaftlicher Report zum Bienensterben präsentiert: "Bye bye Biene" listet die Faktoren auf, die zum dramatischen Bienensterben beitragen.

Dazu gehören Krankheiten, Parasiten, Klimawandel und weitverbreitete industrielle Landwirtschaftspraktiken. Bestimmte Pestizide sind für Bienen besonders gefährlich, zum Beispiel die Neonicotinoide. "Die beobachteten Effekte sind nicht nur akute, teilweise tödliche Vergiftungen, sondern umfassen auch subletale Effekte. Letztere führen zu physiologischen Beeinträchtigungen, Störungen der Nahrungssuche und neurotoxischen Auswirkungen auf die Lernfähigkeit. Auch die Fähigkeit der Bienen, Krankheiten und Parasiten abzuwehren, scheint direkt von ihrer Exposition gegenüber solchen Giften beeinflusst zu sein", meinte Urban.

Die Publikation des wissenschaftlichen Reports ist gleichzeitig auch der Start einer europaweiten Greenpeace-Kampagne zum Schutz der Bienen. Greenpeace fordert von den politischen Entscheidungsträgern in ganz Europa als ersten Schritt eine Unterstützung des von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen teilweisen Verbots von drei Pestiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide, einen europaweiten Aktionsplan, um alle für Bienen und andere wichtige Bestäuber gefährlichen Pestizide vollständig zu verbieten und die Umverteilung der Förderungen weg von chemieintensiver industrieller Landwirtschaft hin zu ökologischer Landwirtschaft.

"Österreich hat bisher bei den Diskussionen über Verbote für Bienengifte auf EU-Ebene eine absolute Blockadehaltung eingenommen. Angesichts der enormen Bedeutung dieser Tiere ist dies eine völlig verantwortungslose Position. Österreich muss den EU-Kommissionsvorschlag endlich unterstützen", forderte Urban.