Das Leid Tausender Opfer, aufgearbeitet in Akten: Der Prozess gegen die PIP-Manager wird bis Mai dauern. - © APAweb / Reuters / Jean-Paul Pelissier
Das Leid Tausender Opfer, aufgearbeitet in Akten: Der Prozess gegen die PIP-Manager wird bis Mai dauern. - © APAweb / Reuters / Jean-Paul Pelissier

Marseille/Wien. Lautstarke Unmutsbekundungen hat der ehemalige PIP-Chef Jean-Claude Mas am Mittwoch beim Prozessauftakt um den weltweiten Skandal rund um die Billig-Brustimplantate seiner Firma ausgelöst.

Als sich der 73-Jährige auf Befragen des Gerichts im südfranzösischen Marseille als vermögenslos bezeichnete und sein monatliches Einkommen mit 1.000 Euro bezifferte, machten sich zahlreiche Zuhörer - darunter etliche geschädigte Frauen - mit abfälligen Zwischenrufen bemerkbar. Das Gericht drohte, den zu einem Gerichtssaal umfunktionierten Kongresssaal räumen zu lassen, sollten sich die tumultartigen Szenen wiederholen.

Mas muss sich zusammen mit vier früheren Angestellten, die sich ebenfalls als vermögenslos erklärten, wegen des Vorwurfs der schweren Täuschung und des Betrugs verantworten. 5.250 betroffene Frauen hatten sich der Klage angeschlossen, darunter 73 Österreicherinnen. Das Verfahren ist bis 17. Mai anberaumt.

Rund zehn Jahre lang hatte Mas weltweit hunderttausende seiner Billig-Implantate verkauft, vor allem in Südamerika, Großbritannien, Spanien und Frankreich. Die Billig-Silikoneinlagen rissen schneller und werden für Entzündungen verantwortlich gemacht. Bisher konnte aber nicht bewiesen werden, dass auch eine Reihe von Krebsfällen bei Frauen auf die Implantate zurückgehen. Die Gesundheitsbehörden mehrerer Länder hatten die Frauen ab Ende 2011 aufgerufen, sich die Einlagen vorsichtshalber wieder herausoperieren zu lassen.

Sammelintervention des VKI
Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) führt im Auftrag des Konsumentenschutzministeriums eine Sammelintervention für diese 73 Frauen aus Österreich, die vermutlich durch PIP-Brustimplantate geschädigt wurden. Sie haben sich über den VKI dem Strafverfahren angeschlossen.

Insgesamt sind mehr als 5.200 Frauen, die meisten davon aus Frankreich, als Privatbeteiligte angemeldet, rund 250 Anwälte vertreten die Opfer, berichteten VKI-Chefjurist Peter Kolba und VKI-Juristin Ulrike Wolf der APA im Vorfeld des Verfahrens. Sie verfolgte den Prozessauftakt mit drei Österreicherinnen, die sich von PIP geschädigt fühlen, und der Rechtsanwältin Sigrid Preissl-Semmer aus Paris an Ort und Stelle. "In Summe geht es für die österreichischen Geschädigten um rund 570.000 Euro", so Wolf.

Die Verfehlungen von PIP zeitigten für tausende Frauen weltweit dramatische Konsequenzen: Die als mangelhaft kritisierten Implantate zeigten eine erhöhte Reißanfälligkeit, die Folgen waren laut Konsumentenschützern "geplatzte Implantate, Entzündungen, der vorsorgliche Austausch der Implantate, weitere Operationskosten, Schmerzen und auch Ängste vor Folgeschäden".