Silikonreste im Körper
Die Fälle jener drei Frauen, die zum Prozessauftakt angereist sind, werden als exemplarisch bezeichnet: "Bei allen ist der 'worst case' eingetreten: Die Implantate sind geplatzt, es gab Folgeoperationen und Körperschäden mit Entzündungen, Eiterbildung, und teilweise mussten Lymphknoten entfernt werden", so Wolf. Mindestens eine der Betroffenen - ihre 2007 in Großbritannien eingesetzten Implantate waren 2010 gerissen - habe nachweislich trotz Not- und Folge-OPs immer noch Silikonreste im Körper. Die beiden anderen Frauen hatten sich die Brustprothesen in Deutschland machen lassen.

Diese Schäden aus einem fehlerhaften Produkt könnten gegen den Hersteller geltend gemacht werden. Doch PIP ist insolvent und aus heutiger Sicht ist für die Betroffenen nichts zu holen, so der VKI. "Im Fall eines Schuldspruches hoffen wir, dass auch die Ansprüche der Privatbeteiligten zugesprochen werden. Sollten die Ansprüche nicht erfüllt werden können, besteht die Hoffnung, dass die Frauen aus einem entsprechenden Garantiefonds zumindest zum Teil entschädigt werden können", erklärte Wolf.

Klage gegen Versicherung
Der VKI führt auch rund 20 Musterprozesse gegen den französischen Haftpflichtversicherer von PIP, die Allianz Versicherung mit Sitz in Paris. Diese bestreitet die Wirksamkeit des Versicherungsvertrages und die Zuständigkeit für Frauen außerhalb Frankreichs.

Die Versicherung war bisher auch nicht dazu bereit, zumindest auf die Verjährung von möglichen Forderungen zu verzichten und damit eine für beide Seiten kostengünstige Klärung der Rechtsfragen zu ermöglichen. "Es überrascht uns sehr, dass eine Versicherung ganz offensichtlich darauf setzt, dass sich geschädigte Frauen eine Klage in Frankreich nicht leisten können und daher auf ihre möglichen Ansprüche verzichten", kritisierte Peter Kolba. "Der Schadensfall PIP ist ein weit über die Grenzen Frankreichs hinausgehender Massenschaden und die Regeln der Europäischen Union stehen auf dem Prüfstand, ob Geschädigte ihre Ansprüche auch tatsächlich über alle Grenzen hinweg durchsetzen können."

Großer Andrang in Marseille
Das Gericht in Marseille hatte sich vorsorglich auf einen großen Andrang vorbereitet: Das Verfahren wurde in eine im Kongresszentrum angemietete Halle verlegt. Dort standen noch zwei weitere Säle bereit, in denen der Prozess über Video übertragen werden kann.