Prag. Tschechien kämpft mit den Fluten: Acht Todesopfer hat das schlimmste Hochwasser seit 2002 schon gefordert. Über 8000 Menschen mussten bislang in Sicherheit gebracht werden. Am härtesten betroffen ist Nordböhmen, das von den geballten Fluten von Moldau und Elbe überschwemmt wurde. Die tschechische Hauptstadt Prag hingegen hat das Schlimmste schon hinter sich.

Die anhaltenden Regenfälle der letzten Tage hatte Böhmens Flüsse und Bäche gefährlich anschwellen lassen. Schon am Sonntag war in weiten Teilen Böhmens der Notstand ausgerufen worden. In Prag waren die moldaunahen Metrostationen wie auch insgesamt 60 Straßen geschlossen worden. In den meisten Schulen fiel der Unterricht aus, ein Krankenhaus musste evakuiert werden. Besonders am südlichen Stadtrand, wo der Fluss Berounka in die Moldau mündet, mussten viele Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Im Norden der Stadt wurde der untere Teil des Prager Zoos überschwemmt. Im Gegensatz zum Jahrhunderthochwasser von 2002, wo über 100 Tiere den Fluten zum Opfer fielen, konnten aber alle Bewohner gerettet werden.

Bedenklich wurde die Situation am späten Montag, als die Moldau-Talsperren geöffnet werden mussten. Die drei großen Stauseen südlich von Prag, Lipno, Orlík und Slapy hatten ihr maximales Volumen von insgesamt 1,3 Millionen Kubikmeter schon am Nachmittag erreicht. Ihr Ablassen sorgte dafür, dass der ohnehin gewaltige Strom der Moldau am Montagabend in Prag auf 3300 Kubikmeter pro Sekunde anschwoll. Zum Vergleich: Im Jahresdurchschnitt fließen in Prag pro Sekunde 149 Kubikmeter Wasser die Moldau hinab. Inzwischen kann die Hauptstadt aber wieder aufatmen: Die gefürchtete Scheitelwelle hat Prag ohne allzu verheerende Folgen am frühen Dienstagmorgen verlassen.

Große Teile Nordböhmens seit Tagen unter Wasser

Dafür wälzt sie sich weiter gen Norden. In Mělník, etwa 60 Kilometer nördlich von Prag, traf sie am Dienstagabend auf die Elbe und trieb deren Strom auf 4000 Kubikmeter pro Sekunde. Unweit von Mělník, in Zálezlice, einem Dorf, das 2002 traurige Berühmtheit erlangt hatte, als es vom Jahrhunderthochwasser fast völlig zerstört worden war, brach der provisorische Damm, der den Ort schützen sollte. Große Teile Nordböhmens stehen seit Tagen unter Wasser. Vor allem die Stadt Ústi nad Labem (Aussig an der Elbe), wo die Elbe - optimistischen Schätzungen zufolge - am Mittwochabend den Höchststand von 11,5 Meter erreichen wird, ist betroffen. Schon am Dienstag lag das Stadtzentrum einschließlich des Hauptbahnhofes unter Wasser, ganze Stadtteile waren von der Außenwelt abgeschnitten. Um noch Schlimmeres zu verhindern, will Landwirtschaftsminister Petr Bendl nun den Fluss, der aus den Moldau-Talsperren in die Elbe strömt, um 400 Kubikmeter pro Sekunde drosseln. Der mährische Teil der Republik wurde dieses Mal größtenteils vom Hochwasser verschont, aber nicht völlig: Im Altvatergebirge, an der Grenze zu Schlesien, kämpft man mit anhaltenden Regenfällen und hat die höchste Hochwasserwarnung ausgerufen.

In Böhmen hat das Hochwasser bisher acht Menschenleben gefordert. Unter den Opfern etwa ein Elektriker, der vom Schlag getroffen wurde, als er ein überflutetes Umspannwerk abschaltete. Vier Wassersportler werden noch vermisst. Schon 8000 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen, zwei Drittel von ihnen im Kreis Ústí (Aussig).

Für die Flutopfer hat die tschechische Regierung die Summe 300 Millionen Kronen (12 Millionen Euro) als Soforthilfe freigegeben und weitere vier Milliarden (160 Millionen Euro) in Reserve. Ministerpräsident Petr Nečas bereist seit Tagen die Krisengebiete, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Zweifelhafter Humor des tschechischen Präsidenten

Präsident Miloš Zeman hat indes in einer Ansprache am Montag versprochen, seine Burggarde als Fluthelfer einzusetzen. Ob die aber allen Betroffenen helfen dürfen, bleibt fraglich: "Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht ertrinken", erklärte Zeman von der Prager Burg hinab. "Im Falle von Journalisten", fügte der Präsident hinzu, dessen negatives Verhältnis zu den Medien schon zu seiner Zeit als Ministerpräsident legendär war, "bin ich mit diesem Wunsch aber etwas ambivalent".