London. Das war aber knapp. Die Königin hatte schon gepackt, für den Urlaub. Am Montagmittag war sie von Windsor Castle nach London, in den Buckingham Palace, zurück gekehrt, um sich für die Abfahrt in die lang ersehnten Sommerferien fertig zu machen. Der hochschwangeren Herzogin von Cambridge hatte sie wenige Tage zuvor durch die Blume erklärt, dass es nun Zeit sei zum Gebären. "Mein Urlaub", hatte sie einem Schulkind gesagt, "steht schließlich unmittelbar bevor."

Glücklicherweise hielt sich Kate an den Zeitplan der Monarchin. Noch am selben Nachmittag brachte sie, in einer privaten Suite im dritten Stock des St. Mary’s Hospital im nahen Paddington, ihren kleinen Prinzen von Cambridge zur Welt. Vier Stunden später, um halb neun Uhr abends, wurde die Nachricht der Welt verkündet. Augenblicklich erstrahlte das London Eye, das Riesenrad an der Themse, in den Nationalfarben - rundum erleuchtet, blau-weiß-rot.

Der alte Post Tower färbte sich babyblau und verkündete in großen Lettern: "It’s a boy!" Londons Mayor Boris Johnson ließ die Stadt wissen, dass die Brunnen am Trafalgar Square auf sein Geheiß hin eine Woche lang blaues Wasser von sich sprudeln würden. Und vor Buckingham Palace begannen sich - wie vor der Klinik - mehr und mehr Menschen zu sammeln. So Elizabeth II. zu später Stunde noch aus dem Fenster spähte, konnte sie im hellen Mondlicht dieser Montagnacht die Feierlustigen vor ihren Palasttoren fröhlich singen und mit Gläsern klingeln hören. "Happy Birthday!" intonierten einige der Versammelten. Viele waren Auswärtige, Touristen von fern her, die "das Ereignis" angelockt hatte. Etliche waren aber auch junge Briten, die Kate und William für "tolle Royals" hielten.

41 Salven Böller-Salut

So viel Freude über das Baby, so viel Sympathien fürs Königtum vor der Haustür: Die Queen musste eigentlich froh sein, dass sie noch nicht im Urlaub, in Balmorals fernen schottischen Wäldern, weilte. Am Dienstag wurde zur Begrüßung der neuen Nummer drei der Thronfolge denn auch feierlich das große royale Banner über dem Buckingham aufgezogen. Die Glückwünsche galten auch der 87-jährigen Chefin des "Clans". Denn Elizabeth II. thront nun über einer "Firma", die drei Generationen von Thronfolgern in direkter Linie ihr eigen nennt. Das war das letzte Mal 1894 der Fall gewesen, als neun Jahre vor dem Tod der Königin Victoria der spätere König Edward VIII. geboren wurde.