München. Mit der Vernehmung eines Ermittlers ist in München nach fast einem Monat Sommerpause der NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München fortgesetzt worden. Ein als Zeuge geladene Ermittler des Bundeskriminalamts berichtete am Donnerstag von einem Ortstermin mit dem Angeklagten Holger G. in Zwickau: Dorthin hatte G. den drei untergetauchten Neonazis um Beate Zschäpe eine Waffe gebracht.

Holger G. gilt als wichtiger Zeuge der Anklage, weil er das Trio über längere Zeit kannte und im Ermittlungsverfahren Angaben zur Rolle von Beate Zschäpe innerhalb der Gruppe gemacht hatte. Im Prozess hat der 39-Jährige bislang aber zu den Tatvorwürfen nur eine vorgefertigte Erklärung verlesen.

Keine weiteren Angaben

Sein Verteidiger bekräftigte am Donnerstag nochmals, dass G. derzeit keine weiteren Angaben machen wolle. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl hatte vor der Sommerpause indirekt angedeutet, dass die bisherige Erklärung etwas zu wenig sein könnte, falls G. auf eine Anwendung der Kronzeugenregelung hofft.

Der Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) wird für zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und rund 15 Banküberfälle verantwortlich gemacht. Mordopfer waren acht Einwanderer aus der Türkei, ein griechischstämmiger Migrant und eine deutsche Polizistin. Als unmittelbare Täter gelten der Anklage zufolge die Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Sie hatten sich 2011 selbst getötet, um der Festnahme zu entgehen. Beate Zschäpe ist als Mittäterin angeklagt. Sie ist die einzige Überlebende des Trios.