Sloweniens Kirchenfonds haben großen Einfluss auf die Situation Wirtschaft. Zum Kriminalfall wurde Schloss Betnava bei Maribor (o.). Der dortige Erzbischof Marjan Turnek (r.) musste nun seinen Posten ebenso räumen wie sein Laibacher Amtskollege Anton Stres (M.), als "Aufpasser" fungiert der päpstliche Nuntius Juliusz Janusz (l.).
Sloweniens Kirchenfonds haben großen Einfluss auf die Situation Wirtschaft. Zum Kriminalfall wurde Schloss Betnava bei Maribor (o.). Der dortige Erzbischof Marjan Turnek (r.) musste nun seinen Posten ebenso räumen wie sein Laibacher Amtskollege Anton Stres (M.), als "Aufpasser" fungiert der päpstliche Nuntius Juliusz Janusz (l.).

Wien/Maribor. "Es gibt noch keine Entscheidung, aber es sollte eine geben, und zwar bald", sagt Herbert Beiglböck, Wirtschaftsdirektor der Diözese Graz-Seckau, zur "Wiener Zeitung". Er meint die Vergleichsverhandlungen, die derzeit hektisch zwischen der Erzdiözese Maribor in Slowenien und den dortigen Banktöchtern von Raiffeisen, Sparkasse, Unicredit Bank Austria und Hypo Alpe Adria laufen. Denn die slowenischen Kirchenmänner gründeten zwei Investmentfonds, sinnigerweise "Glocke 1" und "Glocke 2" genannt, die pleite sind. Von stolzen 800 Millionen Euro Schulden ist die Rede, in Laibach wird der tatsächliche Schuldenstand auf etwa die Hälfte geschätzt.

Genau weiß das im Moment niemand, denn derzeit stecken alle in den Aufräumarbeiten - unter mildtätiger Hilfe aus Österreich. Denn die Diözese Graz-Seckau soll den Kollegen in Maribor finanziell unter die Arme greifen und Immobilien erwerben. Mit dem Geld könnte ein Vergleich finanziert werden, der die Insolvenz des slowenischen Bistums verhindern könnte. Ebenfalls mithelfen sollen - diese Gespräche laufen aber kirchenintern und werden nicht publiziert - katholische Orden. Das Benediktinerstift Admont beispielsweise hat große Ländereien in Slowenien. Auch sie könnten Vermögenswerte der Erzdiözese Maribor kaufen.

Die Bruchlandung hat die beiden Erzbischöfe von Laibach und Maribor, Anton Stres und Marjan Turnek, den Job gekostet - Papst Franziskus setzte sie kurzerhand im Sommer ab. "Entsagt dem Reichtum und folgt Jesus Christus", postulierte der Papst, der wie kein anderer vor ihm den wirtschaftlichen Saustall in der katholischen Kirche aufräumt. In Laibach läuft derzeit das Gerücht, der Vatikan würde dafür nun der Erzdiözese einen Kredit über 40 Millionen Euro geben. Der neue Chef der Vatikanbank, Federico Lombardi, hat dies kürzlich dementiert. Zum Leidwesen der Slowenen.

Beispielhaft für Sloweniens finanzielle Probleme


Dem Postulat des Papstes entsprachen nämlich die Kirchenoberen in Maribor ganz und gar nicht - und ihr Beispiel kann exemplarisch für ganz Slowenien gelten, das sich wegen der Banken in einer bedrohlichen Schieflage befindet. Was war passiert? Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und der Eigenständigkeit Sloweniens Anfang der 1990er Jahre erhielt die Kirche (vor dem Zweiten Weltkrieg gehaltene) Besitztümer zurück. Und die rund zwei Millionen Slowenen bekamen damals Zertifikate, die sie in Aktien von slowenischen Unternehmen stecken konnten, um deren staatliche Eigentümerschaft sichtbar zu beenden.

Die Erzdiözese Maribor versuchte dabei besonders schlau zu agieren, nahm auf ihre Ländereien Kredite auf und steckte das Geld in eigens aufgelegte Investmentfonds. Das Motto: Wenn die Kirche auf Fels gebaut ist, dann wohl auch ihre Investmentfonds. Etwa 65.000 Slowenen vertrauten der Kirche und übergaben ihre Zertifikate an "Glocke 1" und "Glocke 2". Die dortige Kirche gründete auch eine Bank, die Krekova Banka. 2002 wurde diese an Raiffeisen verkauft - folgerichtig ist Raiffeisen Bank International heute einer der Hauptgläubiger. Der Erlös wurde in die Fonds gesteckt, die noch heller erklangen. Die 65.000 slowenischen Bürger und wohl auch Raiffeisen werden nun den Großteil ihres Einsatzes verlieren.

Fragwürdige Beteiligungen in kirchenfremden Sektoren


Mit dem Geld beteiligte sich die Kirche in Slowenien an den großen Unternehmen des Landes. Die größte Brauerei, der größte Medienverlag, Telekom, Immobilien, Tourismus, Chemie, der größte Einzelhändler Mercator. Überall hielt die Kirche Anteile. Und erlag dabei der nach dem EU-Beitritt aufbrechenden Korruption in Slowenien. Ein TV-Kanal bot Pornos an, nicht unbedingt katholisches Kerngeschäft. Beim Umbau des Schlosses Betnava bei Maribor, aus dem ein Tourismuszentrum werden sollte, gab es Schmiergeldzahlungen, die mittlerweile gerichtsanhängig sind. Das Schloss selbst ist nach wie vor eine halbe Baustelle. Und bei Mercator gab es einen Insider-Skandal, der den Chef der größten slowenischen Bank, der NLB, den Job kostete.

Und zu allem Überdruss schrammen viele der Unternehmen am Konkurs entlang. Beispiel: Die kirchennahe Telekom-Gesellschaft überzog Maribor mit einem flächendeckenden Glasfasernetz, eine Riesen-Investition. Mangels Kunden gibt es nun riesige Verluste, die Fonds "Glocke 1" und "Glocke 2" müssen ständig Beteiligungen abwerten, was sie sich nicht leisten können.

Die Fonds sind eigenständige Unternehmen und nicht direkt mit der Kirche verbunden. Doch deren Investments sind fort. Wirtschaftsdirektor Beiglböck, der Maribor berät, beziffert die direkten Schulden der Erzdiözese auf 37 Millionen Euro, plus Haftungen von weiteren 33 bis 35 Millionen Euro. Um diese Haftungen wird heftig gestritten, es ist nicht klar, ob sie rechtens zustande gekommen sind.

Im Ernstfall könnten die Gläubigerbanken ihre Sicherheiten ziehen, also die verpfändeten Liegenschaften übernehmen. Raiffeisen hat bereits 7,6 Millionen Euro an Außenständen offiziell eingeklagt. Größter Gläubiger ist die staatliche Bank NLB. Doch was macht eine Bank mit einem Bischofssitz? Und wo wird der Bischof künftig residieren?