47,3 Milliarden britische Pfund sind eine Menge Geld. Sie entsprechen ungefähr dem aktuellen Bruttosozialprodukt von Aserbeidschan. Oder zweimal demjenigen des Jemen. Um diese Summe, umgerechnet rund 57 Mrd. Euro, will Londons Bürgermeister  Boris Johnson einen  neuen Flughafen errichten. Als Bauzeit sind sieben Jahre vorgesehen.


Links
Gensler
Testrad
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Geplant ist der Britannia Airport auf einer künstlichen Insel in der Themse, rund 80 Kilometer östlich Stadtzentrums mit sechs Start- und Landebahnen. Damit soll Londons als zentraler Knotenpunkt Europas ausgebaut werden. Das Passagieraufkommen könnte damit von 127 auf 300 Millionen pro Jahr steigen.

Die Anbindung an die City soll über eine als U-Bahn ausgeführte Hochgeschwindigkeitsstrecke erfolgen, an die drei Terminals in der Stadt angebunden sind. Die mit der Planung beauftragten Architekten von Gensler hat sich auch mit der Zukunft Heathrows beschäftigt. Als umweltfreundlicher Stadtteil Heathrow Gardens soll es Arbeitsplätze für 200.000 und Wohnungen für 300.000 bieten.

Die treibende Kraft hinter dem Vorhaben ist Bürgermeister Johnson, der das Konsortium Thames Estuary Research and Development (Testrad) ins Leben gerufen hat, um die Pläne umzusetzen. Vehement gegen das Projekt ist die spanische Ferrovial, die Heathrow, Gatwick und Stansted betreibt. Sie will die weitgehend ausgelasteten Flughäfen um weitere Start- und Landebahnen erweitern.

Johnson lehnt dies - auch mit Verweis auf die Lärmbelastung - ab. Zu seinen Argumenten für das Megaprojekt zählt neben der langfristigen Positionierung Londons als Standort für internationale Unternehmen die Schaffung von bis zu 200.000 Arbeitsplätzen.

Trotz des Versprechens, Heathrow in eine naturnahe Gegend mit Gärten, Teichen und großzügigen Parks zu verwandeln, sind Umweltschützer nicht froh über den geplanten Mega-Flughafen. Einwände kommen unter anderem von Greenpeace, den Friends Of The Earth und den britischen Vogelschützern, die von der Vertreibung eingesessener Arten aus dem Mündungsgebiet der Themse sprechen.

Eine Kommission der britischen Regierung fasst nun Strategien zur Erweiterung der Kapazitäten im Großraum Londons zusammen. Die Ergebnisse dürften aber erst nach der Wahl 2015 veröffentlicht werden. Bis dahin wollen die Manager der Thames Estuary Research bereits die meisten gesetzlichen Hürden genommen haben.