Der Orkan Xaver zog in der Nacht auf Freitag mit Geschwindigkeiten bis zu 140 Stundenkilometern über Nordeuropa. Die Halligen-Inseln meldeten "Land unter". In Belgien wurden an der Küste Flanderns über 2.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der Sturm wird noch den Freitag über toben.

Der Westen Schleswig-Holsteins dürfte die erste Phase des Unwetters glimpflich überstanden haben. In Hamburg wartet man auf eine schwere Sturmflut in mindestens drei Wellen. Für den Freitagmorgen sagt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie ein Hochwasser mit etwa 5,60 Metern über Normalnull auf St. Pauli voraus.

An vielen Orten in Nordeuropa  wurde der Verkehr gestoppt. In Schleswig-Holstein hielt die Bahn ab Donnerstagnachmittag die Fernzüge im Bahnhof, am Hamburger Flughafen wurden nahezu alle Flüge abgesagt. In Dänemark fuhren keine Züge mehr, alle größeren Brücken waren gesperrt, Fähren blieben in den Häfen. Von den Flughäfen in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen und im norwegischen Oslo starteten Maschinen nicht oder verspätet. An vielen Schulen fiel der Unterricht aus, Unternehmen gaben Mitarbeitern frei.

Die Meteorologen maßen Spitzengeschwindigkeiten bis zu 140 km/h. Über dem Meer westlich von Sylt erfasste die Forschungsplattform mehr als 100 km/h.

Opfer in Dänemark und Schweden

In Dänemark starb eine 72 Jahre alte Frau als Beifahrerin in einem Wagen, der von einer Straße bei Holstebro in Jütland geblasen wurde. Im dänischen Fredericia saßen am Donnerstag nach Angaben des Rundfunksenders DR wegen einer geschlossenen Brücke rund 400 Zugreisende fest.

Vor Südschweden fegte der Sturm zwei Männer über Bord eines niederländischen Frachtschiffs. Trotz groß angelegter Suche blieben die beiden zunächst verschwunden.

Evakuierungen in Belgien

Die belgische Küstengemeinde Bredene hat wegen der Warnung vor dem schweren Sturm knapp 2.100 Einwohner vorsorglich in Sicherheit gebracht. Sie leben in der Nähe des Kanals zwischen Ostende und Brügge.

Die Region Flandern verstärkte angesichts des erwarteten heftigen Windes an der Küste die Sicherheitsmaßnahmen.

Zwei Tote in Großbritannien

In  Großbritannien sind zwei  Menschenleben zu beklagen. Ein Lastwagenfahrer starb nachdem ein Windstoß sein Fahrzeug erfasste und umkippte. In England wurde ein Mann von einem umstürzenden Baum erschlagen. Vier Menschen wurden leicht verletzt, als der Lastwagen auf Autos stürzte. Die Polizei warnte Autofahrer: Es könne zu weiteren Zwischenfällen kommen, wenn Bäume umstürzen oder Straßen überschwemmt werden.

In Schottland kam es durch den Orkan zu Stromausfällen und Chaos im morgendlichen Berufsverkehr. 100.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Der schottische Zugverkehr wurde vorübergehend eingestellt.

In den Niederlanden wurden zahlreiche Flüge gestrichen. Betroffen seien zunächst 84 Kontinentalflüge vom und zum Amsterdamer Flughafen Schiphol.