Athen. Die Nachricht ereilte die Griechen über diverse einheimische Webseiten erst am frühen Montagmorgen. Tags zuvor hatte der Londoner "Guardian" berichtet, Griechenlands Ex-König Konstantin II. kehre nach 46 Jahren im Exil wieder in seine krisengebeutelte Heimat zurück - gemeinsam mit seiner Ehefrau Anne-Marie. Das linksliberale britische Traditionsblatt zitierte einen Vertreter des "kleinen Kreises der Royalisten in Griechenland", wonach Konstantin II. gemeinsam mit seiner Frau die Entscheidung gefasst habe, seinen ständigen Wohnsitz nach Griechenland zu verlegen. Der mittlerweile 73-jährige Ex-König, der die vergangenen dreißig Jahre im noblen Londoner Norden verbracht hat, folge damit seinem Sohn Nikolaus und dessen Frau Tatiana, die diesen Schritt schon vor einigen Monaten vollzogen hätten.

Die Rückkehr Konstantins II. hat für das Gros der Griechen einen durchaus bitteren Beigeschmack - nicht zuletzt wegen des gewählten Zeitpunkts. Denn seit dem Ausbruch der in Griechenland verheerenden Krise Anfang 2010 haben Schätzungen zufolge rund 300.000 Griechen, darunter viele hochqualifizierte Arbeitssuchende, ihre Heimat verlassen, um in der Fremde auf einen grünen Zweig zu kommen - notgedrungen. Demgegenüber sei der lange Zeit verlorene Ex-Monarch, der nun im fortgeschrittenen Alter seinen Lebensabend in Hellas verbringen wolle, von der hiesigen Krise gänzlich unberührt geblieben, so die Kritiker.

Ferner dürfte der Umstand, dass Konstantin II. sein letztes Privatdomizil im boomenden London kürzlich für umgerechnet zwölf Millionen Euro verkauft hat, während im rezessionsgeplagten Griechenland immer mehr Wohnungen selbst in der Athener Innenstadt mittlerweile schon für nur vierstellige Euro-Beträge verhökert werden, unter den leidgeplagten Hellenen den Sympathiewert für ihr früheres Staatsoberhaupt kaum signifikant erhöhen.

Immerhin: Politische Ambitionen hege er längst nicht mehr, beteuert der Ex-König gebetsmühlenartig bei jeder Gelegenheit. Vielleicht liegt das daran, dass er bereits in jungen Jahren im Mittelpunkt äußerst turbulenter politischer Entwicklungen in Griechenland stand. Zur Erinnerung: Im März 1964 folgte er im zarten Alter von 24 Jahren seinem krebskranken Vater Pavlos auf den griechischen Thron. Dreieinhalb Jahre später flüchtete er nach Rom ins Exil, als in Athen die Obristen die Macht übernahmen. Unmittelbar nach dem Ende der Obristendiktatur 1974 votierten knapp 70 Prozent der Griechen bei einem Referendum für ein demokratisches Staatswesen ohne König - sie zogen damit einen Schlussstrich unter die traditionsreiche, aber stets unpopuläre Monarchie in Griechenland.