München. Im Skandal um gefälschte Zahlen beim ADAC-Autopreis "Gelber Engel" hat sich die Münchner Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Aufgrund der Medienberichte prüfe man, ob hier Straftatbestände berührt sein könnten, teilte die Behörde am Dienstag mit. Sie betonte allerdings, bisher sei kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

ADAC-Präsident Peter Meyer lehnte unterdessen einen Rücktritt ausdrücklich ab. Er warnte davor, die Glaubwürdigkeit des gesamten Autoclubs infrage zu stellen. Meyer schloss zugleich aus, dass bei den Ergebnissen anderer Tests - beispielsweise von Autobahnraststätten oder Kindersitzen - geschummelt wurde. "Unsere Technik- und Verbraucherschutztests werden nach festgelegten, stets nachprüfbaren Kriterien durchgeführt. Teilweise sind Zertifizierungsunternehmen an diesen Tests beteiligt; insofern ist eine Manipulation dort ausgeschlossen."

Der Skandal um gefälschte Zahlen beim ADAC-Autopreis "Gelber Engel" hat größere Dimensionen als bisher angenommen. Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter fälschte nach eigener Aussage nicht nur 2014, sondern auch in den Jahren davor bei der Umfrage zum Lieblingsauto der Deutschen die Teilnehmerzahlen drastisch nach oben, wie ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair erklärte. Der Österreicher kündigte eine "umfassende Aufklärung" an.

Der ADAC ist mit rund 19 Millionen Mitgliedern größter Autoclub in Europa und der größte Verein in Deutschland. Die monatliche Vereinszeitschrift "Motorwelt" meldete zuletzt eine Auflage von fast 14 Millionen Stück. Über seine Beteiligungs- und Wirtschaftsdienste GmbH bietet der ADAC von Versicherungen bis Reisen zahlreiche privatwirtschaftliche Dienste an, 9000 Mitarbeiter setzten 2012 rund eine Milliarde Euro um.