Madrid/Palma de Mallorca. Das Gelände rund um das Gerichtsgebäude im Zentrum von Palma de Mallorca ist bereits weiträumig abgesperrt. Über 200 Polizisten sorgen für die Sicherheit von Infantin Prinzessin Cristina. Sie sollen die älteste Tochter von König Juan Carlos vor empörten Bürgern und Monarchie-Gegnern schützen, wenn sie am Samstag vor Gericht als Verdächtige vernommen wird.

Ermittlungsrichter Jose Castro wirft der Prinzessin vor, sich des Steuerbetrugs und der Geldwäsche schuldig gemacht zu haben. Die Beschuldigung steht im Zusammenhang mit den bereits vor drei Jahren gegen Cristinas Ehemann Inaki Urdangarin eingeleiteten Ermittlungen. Der ehemalige Handball-Profi soll über eine gemeinnützige Stiftung namens Noos öffentliche Mittel in Höhe von sechs Millionen Euro veruntreut haben. Um das Geld am Fiskus vorbeizuschleusen, hatte der Schwiegersohn des Königs angeblich eine Scheinfirma namens Aizoon gegründet, an der Cristina zur Hälfte Eigentümerin ist.

Dem Richter liegt ein Mietvertrag vor, in dem Cristina für die Firma Aizoon Räume in ihrer eigenen Villa in Pedralbes für 12.000 Euro im Jahr anmietet. Als Teilhaberin von Aizoon und Besitzerin des Stadtpalastes unterzeichnete sie gleichzeitig als "Mieterin" und "Vermieterin". Die Prinzessin gab mit einer Visa-Goldkarte von Aizoon zudem über acht Jahre lang Zigtausende von Euros für verschiedenste private Dinge wie Kinderkleidung, Harry-Potter-Bücher, Blumen aus, aber auch für teure Gourmet-Essen und Safaris in Südafrika. Dies geht aus Konto-Auszügen hervor. Auch die 8000 Euro, die angeblich ein Rhetorikkurs für sie und ihren Mann kostete, bezahlte Cristina mit der Firmen-Karte.

Bis zu elf Jahre Gefängnis drohen

Sollte sich herausstellen, dass Cristina schuldig ist, könnten ihr bis zu elf Jahre Gefängnis drohen. Seit drei Tagen bereitet sich die Prinzessin bereits in Barcelona mit ihren Rechtsanwälten auf das Verhör vor. Sie scheint zu ahnen, was auf sie zukommt: Jose Castro gilt als persönlich umgänglicher, aber in der Sache knallharter Richter. Das könnte ihr auch ihr Ehemann bestätigt haben. So entschuldigte sich Castro Anfang 2012 beim ersten Verhör von Urdangarin erst für die Unannehmlichkeiten, nahm den königlichen Schwiegersohn dann aber 20 Stunden lang mit 500 Fragen in die Mangel.

Für Cristina, die aus Sicherheitsgründen sehr wahrscheinlich direkt mit dem Wagen in die Garage des Gerichtsgebäudes fahren kann, soll es angeblich nur 100 Fragen geben. Doch allein das Verhör richtet schon großen Schaden für das Ansehen der Bourbonen-Familie an, das bereits schon jetzt kräftig angekratzt ist. Die Medienaufmerksamkeit ist maximal. Über 200 Journalisten werden vor dem Gerichtsgebäude auf Cristina warten.

Seitensprünge, Ehekrisen, polemische Luxus-Safaris des Königs haben das Image der zuvor so beliebten spanischen Königsfamilie bereits ordentlich ramponiert. Besonders König Juan Carlos steht im Mittelpunkt der Kritik. 62 Prozent der Spanier sprechen sich laut einer jüngsten Umfrage der Zeitung "El Mundo" bereits für seine Abdankung aus. Nur noch eine Minderheit spricht sich für die Monarchie als Staatsform aus.

Spanier sensibel gegenüber Korruptionsskandale

Cristinas jüngste Probleme mit der Justiz kommen somit zu keinem guten Zeitpunkt. Die krisengebeutelten Spanier reagieren derzeit ohnehin sehr sensibel auf die zahlreichen Korruptionsskandale vor allem in den politischen Parteien des Landes. So musssten bereits in der regierenden Volkspartei von Ministerpräsidenten Mariano Rajoy (PP) Dutzende Bürgermeister und Regionalpolitiker wegen Korruption und Steuerbetrug ihren Hut nehmen.

Im selben Gebäude, in dem Prinzessin Cristina am Samstag verhört wird, wurde vor wenigen Monaten sogar der ehemalige konservative Ministerpräsident der Balearen, Jaume Matas, wegen Steuerbetrugs, Geldwäsche und anderer Delikte zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.