Wien. Das Logo ist alt, die Thematik aktueller denn je: Buttons mit dem markanten Anti-Atomkraft-Logo - eine rote, lachende Sonne auf gelbem Grund - blitzen von den Bannern, Jacken und Taschen der rund 20 Demonstranten, die sich am Montag vor dem Lebensministerium am Wiener Stubenring versammelt haben. Anlässlich des dritten Jahrestages der Fukushima-Katastrophe protestieren die Anhänger der Wiener Plattform Atomkraftfrei gegen geplante Atommüll-Endlager nahe Österreich.

Weltweit gibt es noch kein einziges Atommüll-Endlager für radioaktive Abfälle wie gebrauchte Brennstäbe. Sie ruhen derzeit in mittelfristigen Lagern, etwa in stillgelegten Salzstöcken. Aktuell ist Kraví Hora nahe Brünn in Tschechien als Endlager im Gespräch - nur 50 Kilometer von Österreichs Grenze entfernt.

Transporte durch Österreich

"Für die Tschechen wäre das eine willkommene Möglichkeit, viel Geld zu verdienen", wettert Demonstrantin Christine Beschaner ins Megafon. Das Endlager sei nämlich viel größer geplant, als es für Tschechiens Atommüll-Menge nötig wäre - Transporte quer durch Österreich, von den Kraftwerken in Slowenien und der Schweiz kommend, seien zu befürchten. "Man muss daran glauben, dass man etwas dagegen unternehmen kann", ruft Beschaner. Mehrere Demonstranten rasseln zustimmend mit ihren mitgebrachten Tamburinen.

Der Lärm, den das eher dürftige Demonstranten-Grüppchen produziert, ist enorm. Die Zuversicht scheint stark zu machen, haben sich doch erst im Vormonat die Pläne für ein Endlager in Boletice (18 Kilometer von der oberösterreichischen Grenze entfernt) zerschlagen. Das tschechische Energieministerium hat davon abgelassen, weil der geologische Untergrund ungeeignet sei, wie es hieß. Als größtes Problem wurden seismische Aktivitäten genannt, zudem sei das Erdreich zu feucht, was mit einer Gefährdung des Grundwassers einhergehen könnte. Vielleicht waren es aber auch die Proteste der Oberösterreicher, die ihren Beitrag zum Aus für Boletice geleistet haben: 111 Mühlviertler Gemeinden hatten eine Resolution gegen das geplante Endlager verabschiedet.

Die Plattform Atomkraftfrei hat bereits 8000 Unterschriften gegen Atommüll-Endlager in Tschechien gesammelt. "Eine Delegation überreicht sie gerade Umweltminister Andrä Rupprechter", erklärt eine Demonstrantin einem neugierigen Fußgänger und streift ihr Banner glatt. Dann bewegt sich der Zug weiter in Richtung Außenministerium, wo die Schlusskundgebung stattfindet.

Folgt nun auch für Kraví Hora das Aus, wäre das Thema damit noch nicht erledigt. Drei weitere Endlager bei Lodhérov, Budiov und Rohozná in Tschechien sind in Diskussion. Sie alle liegen nahe der niederösterreichischen Grenze.