Genua. Die schweren Unwettern, die seit Tagen immer wieder Norditalien treffen, sorgen weiterhin für Chaos und Verwüstung. Zwei Personen sind im lombardischen Cerro di Laveno unweit vom Lago Maggiore unter den Trümmern ihres Hauses ums Leben gekommen, das von einem Erdrusch erfasst wurde, berichteten italienische Medien.

Bei den Opfern handelte es sich um eine 16-Jährige, die im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlag, und um einen 70-jährigen Angehörigen des Mädchens, der unter den Trümmern starb. Drei Personen konnten sich retten. Häuser in der nächsten Umgebung mussten aus Sicherheitsgründen geräumt werden. Besonders schwierig war die Lage in Ligurien, wo ein Vermisster gemeldet wurde. Der 67-jährige Mann war in Mignanego nahe Genua mit seinem Auto unterwegs und wurde von einem Fluss mitgerissen, der über die Ufer getreten war. Die Suche nach dem Vermissten lief auf Hochtouren.

Zu wenig für Stabilisierung des Bodens getan

Der italienische Regierungschef Matteo Renzi kritisierte die Umweltpolitik der Regionen. Sie hätten in den vergangenen 20 Jahren zu wenig für die Stabilisierung des Bodens und zur Vorbeugung von Unwetterkatastrophen unternommen. Der Präsident des Verbands der italienischen Regionen, Sergio Chiamparino, drängte, dass große Infrastrukturinvestitionen zur Unwettervorbeugung aus dem Stabilitätspakt ausgeklammert werden.

Genuas Stadtoberhaupt, Marco Doria, rief die Bewohner auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen, um die Arbeit der Rettungsmannschaften nicht zu erschweren. Beim Autobahnverkehr in Richtung Genua kam es zu erheblichen Problemen, einige Strecken mussten gesperrt werden. Die Bürgermeisterin der überschwemmten Stadt Alessandria, Maria Rita Rossa, sprach von einer "Katastrophe". Flüsse seien über die Ufer getreten, über 20 Straßen mussten gesperrt werden. Einige Ortschaften unweit der Stadt seien wegen Erdrutschen isoliert. 150 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen.

Verspätungen im Bahnverkehr

Der Bahnverkehr zwischen den Großstädten Mailand, Turin und Genua war am Samstag zum Erliegen gekommen. Wegen der Erdrutsche war auch die Bahnlinie zwischen Savona und der Grenzstadt Vendimiglia nahe der französischen Grenze gesperrt. Zu erheblichen Verspätungen kam es auf dem Flughafen von Genua, "Cristoforo Colombo".

Weiter Regen erwartet

Auch für die nächsten Tage wurde weiterer Niederschlag erwartet. Seit den schweren Unwettern Mitte Oktober sind in Italien mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Die Schäden gingen in die Millionen. Das Land wird immer wieder von heftigen Unwettern heimgesucht. Kleine Flüsse verwandeln sich dabei in relativ kurzer Zeit in reißende Ströme und werden oft zur tödlichen Falle.