Wie antijüdisch der Islam ist, das ist, wie nahezu alles in dieser Religion, eine Sache der Auslegung. Soll heißen: Unterschiedliche Lehrbefugte interpretieren unterschiedlich, doch dass der Koran und die Hadithe Distanz zu Juden und Gewalt gegen Juden beinhalten, kann nicht wegdiskutiert werden. So vertreibt Mohammed jüdische Goldschmiede und Händler aus Medina, er versklavt und tötet Juden. Prinzipiell ist Mohammed für den Muslim ein Vorbild, dem er kritiklos folgen soll. Es obliegt allerdings der Interpretation des Lehrbefugten, ob diese Gewalttaten gegen Juden verallgemeinert und damit für die Gegenwart legitimiert oder auf eine bestimmte historische Situation bezogen werden.

Mit der Aufklärung tut sich der Islam aus einem anderen Grund schwer: Seine Basis, der Koran, ist im Verständnis des Muslims das Wort Gottes. Während beispielsweise Katholiken und Protestanten die Bibel als Zeugnis der göttlichen Offenbarung verstehen, ist der Koran für den streng gläubigen Muslim die unveränderbare göttliche Offenbarung.

Während das Neue Testament der Bibel eine Trennung zwischen Staat und Glauben vorsieht (Jesus: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist!"), so strebt der Islam eine Theokratie an aus der Überlegung heraus, dass Allah selbst der Eine ist, und so auch seine Herrschaft alles in unteilbarer Einheit umfasst. (Ein ähnliches Denken findet sich auch bei antiaufklärerischen fundamentalistisch christlichen Gruppierungen.) Eine Theokratie auf der Basis eines unveränderlichen Gotteswortes aber widerspricht allen aufklärerischen Prinzipien mit ihrer Grundlage einer umfassenden Kritik und der verbessernden Veränderbarkeit aller Denksysteme.