Wien. Die Diskussion über die Legalisierung von Cannabis währt bereits seit Jahrzehnten. Der italienische Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano, der mit seinem Buch "Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra" einen Welterfolg gelandet hat, plädierte vor kurzem in einem Beitrag in der "Zeit" für die Entkriminalisierung. Die Erfahrungen in US-Bundesstaaten wären positiv.

Der Handel mit Marihuana in Mexiko geht zurück - der Legalisierung in den USA sei Dank. Europa sollte nachziehen", hieß es im Titel des Beitrages. "Zum ersten Mal überhaupt bringt die drastisch gesunkene Marihuana-Nachfrage die mexikanischen Drogenkartelle in Bedrängnis, ein bis heute absolut krisenfestes Milliardengeschäft gerät ins Wanken", schrieb der Autor.

Der legale Verkauf in den USA bedeute nicht nur eine wirtschaftliche Revolution. Einerseits seien die Steuereinnahmen um 800 Millionen US-Dollar (743,84 Millionen Euro) gestiegen, andererseits werde das "gesamte kriminelle System" geschädigt.

Klare Regeln in Colorado

In Colorado und Washington ist der Cannabis-Konsum klar geregelt: Um diese Droge zu kaufen, muss man älter als 21 Jahre sein, der Besitz von rund 28 Gramm sei legal, der Konsum in der Öffentlichkeit verboten (was im Übrigen auch für Alkohol gilt) und Autofahren unter Cannabis-Einfluss strafbar (Führerscheinentzug für ein Jahr und Gefängnisstrafen für Wiederholungstäter).

Scharf ins Gericht geht Saviano in dem Artikel mit den Gegnern der Legalisierung von "Gras & Co.": "Die Einwände der amerikanischen Legalisierungsgegner sind die gleichen, die seit je auch von ihren europäischen Gesinnungsgenossen angeführt werden: Entkriminalisierung lasse die Nachfrage steigen, die Verkehrsunfälle nähmen zu, die Verbrechensrate steige. Doch die Tatsachen entkräften diese Befürchtungen. Die Katastrophe in den USA ist ausgeblieben."

Neues Ziel: Europa

Im Gegenteil, die Polizei von Denver hätte einen Rückgang der Kriminalität von vier Prozent verzeichnet, die Zahl der Verkehrsunfälle sei nicht gestiegen. Die meisten Unfälle würden dort weiterhin auf Alkoholkonsum zurückzuführen sein. Dennoch beharrten "die Führungsspitzen der Polizei in Europa und teils auch in den Vereinigten Staaten auf ihrem Standpunkt des Verbots. Dabei haben Verbot und Strafen die Verbreitung und Konsumierung von Cannabis nicht aufhalten können." Europa werde jetzt Ziel des mexikanischen Marihuana werden.