Paris. Es sind Szenen von Straßenkämpfen. Am Rand einer Fahrbahn in Nizza brennen mehrere Autoreifen. Im Westen von Paris, an der "Porte Maillot", ist es eine Ölspur, die brennt. In der Nähe greift eine Männergruppe ein Auto an und versucht, es umzuwerfen. Anderswo fliegen Steine und Fäuste. Es sind Taxifahrer, die ihre geballte Wut auf jenes Unternehmen herauslassen, das ihnen massiv Konkurrenz macht: den US-Fahrdienstvermittler Uber sowie die Filiale UberPOP, bei der Privatleute über eine Handy-App zu Chauffeuren werden.

Knapp 3000 der rund 55.000 französischen Taxifahrer beteiligten sich gestern Donnerstag an den Protesten im ganzen Land. Sie blockierten Straßen und Zufahrten, vor allem an Flughäfen und Bahnhöfen, sowie den Autobahnring um Paris. Damit machten sie Reisenden das Leben schwer - und bedrohten gar das von Chauffeuren von der Konkurrenz. Schon in den vergangenen Wochen wurden sie wie auch deren Kunden immer wieder angegriffen. Der Streit zwischen Taxifahrern und Uber gerät in Frankreich zu einem Krieg um die Straße und um Kunden. Dabei hatten Taxi-Gewerkschaften zu Gewaltverzicht aufgerufen, um ihre Verhandlungsposition nicht zu schwächen, zumal die Politik ohnehin auf ihrer Seite steht.

Innenminister Bernard Cazeneuve erklärte, UberPOP befinde sich in einer "absolut illegalen Situation" und müsse "die Regeln der Konkurrenz respektieren". Er beauftragte den Präfekten von Paris mit einem unmittelbaren Verbot des Services. Premierminister Manuel Valls lud Vertreter der Taxi-Gewerkschaften zum Gespräch ein, die unlauteren Wettbewerb durch Uber und UberPOP beklagen sowie einen Umsatz-Rückgang um 30 Prozent. Während sie für ihre Lizenz um die 200.000 Euro bezahlen, fallen solche Kosten für die alternativen Fahrdienste nicht an. Im Oktober hat das französische Parlament ein Gesetz mit Auflagen für Uber beschlossen: Anders als reguläre Taxis dürfen sie nicht auf der Straße wartende Kunden spontan mitnehmen, sondern nur nach vorheriger Bestellung. Das Angebot UberPOP, bei dem Chauffeure keinerlei Fahrausbildung brauchen und ihren Privatwagen nutzen, wurde ganz untersagt. Wer dennoch gegen Geld Kunden chauffiert, riskiert bis zu ein Jahr Gefängnis und 15.000 Euro Strafe, die Abnahme des Führerscheins und eine Konfiszierung des Autos. Knapp 500 Verfahren laufen derzeit in Frankreich.

Uber hingegen hat Berufung eingelegt und wartet eine Entscheidung des Verfassungsgerichtes. Bis diese fällt, hat das Unternehmen UberPOP, das es bisher nur in Paris und einigen Vorstädten gab, auf die Städte Marseille, Straßburg und Nantes ausgeweitet. Auch klagte Uber vor der EU-Kommission und wartet auf eine EU-einheitliche Entscheidung, wie sie die zuständige Kommissarin versprochen hat.

Vom Streik der französischen Taxis profitierte gerade Uber. "Die Nachfrage ist groß", schrieb Uber im Nachrichtendienst Twitter. Auf eine Provokation wie beim letzten Streiktag verzichtete das Unternehmen aber - damals bot es Abonnenten einen Rabatt von 50 Prozent an bei Eingabe des Codes "Parisbouge" - "Paris bewegt sich".