München. Im Prozess um die Morde des rechtsextremen NSU in Deutschland drohen weitere Verzögerungen. Drei der mittlerweile vier Pflichtverteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe haben das Gericht um Entbindung von ihrem Mandat gebeten.

Das Gericht müsse nun prüfen, ob das Vertrauensverhältnis unwiederbringlich zerstört sei und die Anwälte dies begründen könnten, sagte die Sprecherin des Oberlandesgerichts München am Montag. Auch die übrigen Prozessbeteiligten, darunter Dutzende Nebenkläger, könnten dazu Stellung nehmen.

Angeklagte sprach Anwälten Misstrauen aus

Mit dem Antrag der Verteidiger eskaliert der Streit zwischen Zschäpe und ihren Rechtsanwälten Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm weiter. Die Angeklagte hat ihnen selbst wiederholt das Misstrauen ausgesprochen, scheiterte aber mit Entlassungsanträgen. Sie habe eine Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses nicht begründen können, befand der Senat. Allerdings erfüllte das Gericht Zschäpe Anfang Juli den Wunsch nach einem vierten Pflichtverteidiger. Der Rechtsanwalt Mathias Grasel muss sich nun in die ausufernden Stoff des Prozesses einarbeiten, der bereits seit mehr als zwei Jahren läuft.

Der Strafprozess gegen Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer der Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zählt zu den spektakulärsten und umfangreichsten der bundesdeutschen Geschichte. Die heute 40-Jährige soll laut Anklage mitverantwortlich sein für die Ermordung von zehn Menschen überwiegend türkischer Abstammung sowie für zwei Bombenanschläge und 15 Raubüberfälle in den Jahren 2000 bis 2011.