Berlin. Soziale Ungleichheit beeinträchtigt die Startchancen und Lebensqualität von Kindern auch in Industrieländern wie Österreich. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der OECD hervor, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Untersucht wurden 26 vor allem europäische Industrienationen. In Österreich geht es Kindern vergleichsweise etwas besser als im Durchschnitt der OECD-Länder. In die Spitzengruppe der im "How’s-Life"-Bericht verglichenen Länder schafft es Österreich aber nicht bei allen Indikatoren.

Laut OECD lebt eines von sieben Kindern in relativer Armut. Jedes zehnte wächst in einem Haushalt auf, in dem niemand eine Arbeit hat. Österreich schneidet hier zwar besser ab als der OECD-Schnitt, befindet sich jedoch nur im Mittelfeld. Hierzulande leben dem Bericht zufolge mehr Kinder in Armut als noch vor ein paar Jahren: Die Rate ist von 7,31 Prozent im Jahr 2007 auf 9,1 Prozent 2011 gestiegen. Als arm definiert die OECD einen Haushalt, dessen verfügbares Einkommen bei weniger als 50 Prozent des Medians liegt.

Insgesamt belegt der Bericht, dass Kinder aus wohlhabenderen und gebildeteren Familien oft gesünder sind und sich in der Schule wohler fühlen als Kinder aus einfacheren Verhältnissen", resümiert die OECD. Letztere empfinden ihre Klassenkollegen seltener als freundlich und hilfsbereit - im Gegenteil, sie werden öfter gemobbt.

Mobbing kommt dem Bericht zufolge nirgends so oft vor wie in Österreich und Estland. Ganze 17,5 Prozent der österreichischen 11-, 13- und 15-Jährigen gaben an, in den vergangenen zwei Monaten mindestens zweimal von Schulkameraden körperlich oder verbal angegriffen worden zu sein. Eklatant ist der Unterschied zwischen Arm und Reich: 21,8 Prozent der Jugendliche aus Familien mit niedrigem Einkommen sehen sich als Mobbingopfer, bei den Teenagern reicher Eltern waren es "nur" 14,3 Prozent. Der Schnitt von 26 OECD-Ländern lag bei 10,1 Prozent.

Die sozialen Unterschiede sind auch bei der Lebenszufriedenheit, bei der Lese- und Problemlösungsfähigkeit, der Kommunikation mit den Eltern und sogar bei der Absicht, im Erwachsenenalter wählen zu gehen, nachweisbar. Bei all diesen Kategorien sind Kinder aus armen Familien benachteiligt. "Wächst die Ungleichheit der Eltern, dann schrumpfen damit auch die Möglichkeiten der Kinder", so die OECD.

Übergewicht und Armut hängen ebenso zusammen. 18,5 Prozent der österreichischen Jugendlichen aus schwachem sozioökonomischen Umfeld bringen laut OECD zu viel auf die Waage und 12,4 Prozent der Teenager aus reicher Familie.

Bei der Raucherrate nimmt Österreich den unrühmlichen letzten Platz ein. Ganze 27 Prozent der 15-Jährigen gaben an, mindestens einmal pro Woche zur Zigarette zu greifen, in 26 verglichenen OECD-Ländern waren es durchschnittlich nur 16 Prozent. In Sachen "Komatrinken" liegen die österreichischen 13- und 15-Jährigen etwas über dem Schnitt ihrer Altersgenossen aus anderen Industrieländern: 20,5 Prozent sagten, in ihrem Leben schon mindestens zweimal betrunken gewesen zu sein (OECD-26: 19 Prozent).