München. Der Amokläufer von München hat seine Tat ein Jahr lang vorbereitet und dazu ähnlich wie der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik ein Manifest verfasst. Einen politischen Hintergrund schließen die Behörden aber aus. Seine Opfer, die überwiegend einen Migrationshintergrund haben, suchte er sich nach den Erkenntnissen der Ermittler nicht gezielt aus.

Landespolizei und Staatsanwaltschaft informierten am Sonntag über die ersten Ermittlungsergebnisse zum Amoklauf vom Freitagabend, bei dem der 18-Jährige vor und in einem Münchner Einkaufszentrum und in einem Schnellrestaurant neun Menschen und dann sich selbst tötete. Von den neun überwiegend jugendlichen Opfern hatten sieben einen Migrationshintergrund.

Drei Menschen weiter in Lebengefahr

Am Sonntag schwebten noch drei Menschen in Lebensgefahr. Insgesamt gab es laut Landeskriminalamts 35 Verletzte. Mit seiner Pistole gab der Täter den Ermittlungen zufolge mindestens 57 Schüsse. Die Waffe hat er offenbar in einem anonymen Bereich des Internets gekauft. Es gebe einen Chatverlauf im Darknet, der darauf schließen lasse, dass er sich diese Waffe im Darknet besorgt habe. Die Waffe sei einst zu einer Theaterwaffe umfunktioniert worden, dann aber wieder zu einer scharfen Waffe umgebaut worden, sagte Heimberger.

Mit einem Fake-Account bei Facebook habe der Täter angekündigt, dass er bei McDonald's eine Runde spendieren werde, sagte Heimberger. "Das war wohl der Versuch, Personen dorthin einzuladen." Nach bisherigen Ermittlungen gehörten die Menschen, zu denen der Täter auf Facebook Kontakt hatte, aber nicht zu den späteren Todesopfern.

Die Ermittler wissen noch nicht, warum der Amokläufer das Einkaufszentrum als Tatort und den Tatzeitpunkt ausgesucht hat. Zur Aufklärung der Tat wurde eine mehr als 70 Personen starke Sonderkommission gebildet.

Behandlungsunterlagen 

Bei der Wohnungsdurchsuchung fanden die Ermittler Behandlungsunterlagen zu einer psychischen Erkrankung des Amokläufers und Medikamente. Der Schüler sei zwei Monate in stationärer Behandlung gewesen, habe unter "sozialen Phobien" und Depressionen gelitten.

Im Jahr 2012 sei er von Mitschülern gemobbt worden. Ob es einen Zusammenhang des Mobbings zur Tat gebe, sei noch unklar. Mitschüler seien aber nicht unter den Opfern.

Der Amokläufer hat den Ermittlern zufolge ein eigenes schriftliches "Manifest" verfasst und sich seit einem Jahr auf seine Tat vorbereitet. Er habe auch Winnenden besucht, den Ort eines früheren Amoklaufs. Dort habe er Bilder gemacht.

Nach Angaben der Ermittler spielte der Täter intensiv gewaltverherrlichende Videospiele wie "Counterstrike". Das sei typisch für Amokläufer. Die Münchner Bluttat fand am fünften Jahrestag des Amoklaufs Breiviks statt, bei dem der norwegische Rechtsextremist 77 Menschen tötete.

 Experte: Depression nicht Auslöser für Amoklauf

Nach Einschätzung eines Experten ist die Tat nicht durch eine mögliche Depressionserkrankung des Täters ausgelöst worden. "Mit großer Sicherheit kommt eine Depression des Täters als Ursache für den Amoklauf in München nicht in Frage", erklärte Professor Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. "Wir sehen es mit großer Sorge, wenn Depressionen mit Gewalttaten in Verbindung gebracht werden", sagte er. Das sei vom Krankheitsbild her nicht gerechtfertigt.

Nach seinen Angaben leiden in Deutschland etwa vier Millionen Menschen an "behandlungsbedürftigen Depressionen". Es gebe keine Hinweise, dass diese Menschen häufiger Gewalttaten als andere begehen würden. "Eher sogar im Gegenteil: Depressiv erkrankte Menschen sind im gesunden Zustand meist besonders verantwortungsvolle, fürsorgliche Menschen", sagte Hegerl weiter.

In der depressiven Krankheitsphase neigten sie zu übertriebenen Schuldgefühlen, dies sei ein zentrales Diagnosemerkmal. "Sie geben immer sich selbst die Schuld, nicht anderen und würden deshalb nie auf den Gedanken kommen, fremde Menschen in einem Amoklauf zu töten." In der Wohnung fanden die Ermittler ärztliche Behandlungsunterlagen, die auf eine Angststörung und Depressionen hindeuteten, sowie Medikamente.