Düsseldorf. (red) "Ya Allah sei mit unseren [sic!] Bruder und befreien [sic!] in [sic!] aus dieser Situation. Ya Allah bewahren [sic!] unseren Bruder vor den Lügen." Aufmunternde Worte in gebrochenem Deutsch postet ein junger Mann namens Amin am Dienstag auf dem Facebook-Account von Sven Lau. Amin steht vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht, im Hintergrund sind TV-Übertragungswagen zu sehen. "Die Zionistischen [sic!] Medien wieder vor Ort!", kommentiert ein Nutzer das mitgelieferte Foto Amins. Dessen Kommentar gefällt knapp 120 Personen. Überhaupt erfährt Sven Lau großen Zuspruch in den sozialen Medien: Mehr als 53.000 Personen folgen ihm auf Facebook.

Mit Lau, alias Abu Adam, steht einer der bekanntesten Islamisten Deutschlands seit Dienstag vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 35-Jährigen vor, aktiver Unterstützer der Terrorvereinigung "Armee der Auswanderer und Helfer" (Jamwa) gewesen zu sein, die sich in Teilen der Terrormiliz des "Islamischen Staats" (IS) angeschlossen hat. Laut den Anklägern habe sich Lau als "eine Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige, insbesondere aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf" betätigt. Im Spätsommer 2013 soll Lau zwei Dschihadisten an eine in Syrien stationierte Kampfeinheit der Jamwa vermittelt haben.

Unstrittig ist, dass sich Lau in den vergangenen Jahren mehrfach in Syrien aufgehalten hat. So posiert er auf einem Panzer. Auf einer anderen Aufnahme sieht man den Salafisten mit einem Sturmgewehr auf dem Rücken. In Syrien soll Lau 250 Euro an den Dschihadisten Ismail I. übergeben und den Auftrag erhalten haben, Nachtsichtgeräte im Wert von mehr als 1400 Euro für die Terroreinheit zu kaufen. Diese brachte er laut Anklage wenig später entweder selbst oder über eine islamistische Hilfsorganisation in das Jamwa-Basislager nach Syrien.

Bis zu 15 Jahre Haft möglich


Jener Ismail I., einer der mutmaßlichen Rekruten Laus, belastet diesen schwer. Der Prediger habe über Jamwa-Aktivisten aus seinem Umfeld ein Bestimmungsrecht gehabt und sei bei mehreren Besuchen im syrischen Kampfgebiet regelrecht hofiert worden. "Die Anklageschrift gegen Herrn Lau ist ein einziger juristischer Amoklauf. Mein Mandant soll offensichtlich mundtot gemacht werden", sagt hingegen Laus Anwalt Mutlu Günal gegenüber dem "Spiegel". Er setzt auf eine Wiederholung von 2014: Damals saß Lau für drei Monate in Untersuchungshaft, wurde aber freigelassen. Seit Dezember vorigen Jahres ist er wieder in U-Haft. 30 Prozesstage bis Mitte Jänner 2017 sind derzeit anberaumt. Wird Lau verurteilt, drohen ihm bis zu 15 Jahre Gefängnis.

In seiner Kindheit galt Lau als "Klassenclown", gleichzeitig sei er auf der Suche nach dem Sinn des Lebens gewesen. Er fand ihn im Kiffen, mit Mädchen, am Spielautomaten und beim Fußball. "Mich hat das nicht glücklich gemacht", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" Lau. Er konvertierte laut eigener Aussage während seiner Ausbildung zum Industriemechaniker zum Islam und galt als enger Weggefährte von Pierre Vogel - Deutschlands bekanntestem Salafisten, und ebenfalls ein Konvertit. Der gelernte Brandmeister Lau sorgte 2014 mit einer Missionierungsprovokation für Schlagzeilen: Mit Anhängern und in oranger Warnweste mit der Aufschrift "Sharia Police" patrouillierte er bei Spielhallen und Diskotheken. Die Gruppe forderte die Gäste auf, keinen Alkohol zu trinken, kein Glücksspiel zu betreiben und keine Musik zu hören.

Fünfeinhalb Jahre für Choudary


Zeitgleich mit Beginn des Prozesses gegen Lau in Deutschland, wurde Großbritanniens bekanntester Islamist Anjem Choudary am Dienstag in London zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt - gerechnet wurde im Vorfeld mit einem Strafausmaß von bis zu zehn Jahren. Choudary und der ebenfalls angeklagte Mizanur Rahman haben in Predigten und Vorträgen die Herrschaft des IS als legitim bezeichnet und zur Unterstützung für die Terroristen aufgerufen. Choudary predigte außerdem die Einführung der Scharia in Großbritannien und forderte die Wiedererrichtung des islamischen Kalifats.