Istanbul. (afp) Viele kennen die Landschaft aus roten Ziegeln auf dem Dach des Großen Basars in Istanbul aus dem James Bond-Film "Skyfall": Wo sich Stuntmen eine Motorradjagd lieferten, sind jetzt Bauarbeiter mit Scheibtruhen unterwegs. Der Große Basar wird renoviert - nicht nur wegen der Schäden, die die Dreharbeiten auf dem Dach des jahrhundertealten Komplexes verursachten.

Viele Geschäftsbesitzer in dem Markt auf der historischen Halbinsel haben keine guten Erinnerungen an die Dreharbeiten. Zu viel Schaden sei angerichtet worden. "Ein paar Ziegel mögen kaputt gegangen sein", beschwichtigt der stellvertretende Bürgermeister des Stadtteils Fatih, Okan Erhan Oflaz. "Aber im Großen Basar gibt es ohnehin keinen Stein, der nicht brüchig ist."

Der Basar ist einer der größten und ältesten überdachten Märkte der Welt. Sein Bau begann 1455, zwei Jahre nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen. Heute verbergen sich 3000 Geschäfte in dem Gassen-Labyrinth, 30.000 Menschen arbeiten hier. 2014 war der Kapalicarsi (überdachter Markt) genannte Basar die meistbesuchte Touristenattraktion der Welt.

Doch seit vergangenem Jahr bleiben die Touristen aus. Die Anschläge in Istanbul und der autoritäre Kurs von Präsident Recep Tayyip Erdogan haben viele Urlauber abgeschreckt. Seit einem Attentat der Terrormiliz Islamischen Staats auf eine deutsche Touristengruppe vor der Blauen Moschee im Jänner 2016 ist die Zahl westlicher Besucher in der Bosporus-Metropole massiv gesunken. Das macht vielen Geschäftsinhabern zu schaffen. Hunderte haben im Basar schon schließen müssen, viele haben Probleme, die Miete zu zahlen. Der Putschversuch am 15. Juli 2016 und die politischen Turbulenzen, die darauf folgten, haben den Tourismus weiter einbrechen lassen.

Die Renovierung soll den Großen Basar nun wieder attraktiver machen, auch für die Einheimischen. Brände und Erdbeben haben ihn über die Jahrhunderte immer wieder beschädigt. Überall bröckeln die Mauern. Heute setzen dem Komplex zudem die eigenmächtigen Umbauten der Ladeninhaber zu, die überall auf dem Dach ihre Satellitenschüsseln installiert haben.

Im Winter wird es im Basar feucht, im Sommer macht Verkäufern und Kunden die Hitze zu schaffen. "Das Dach muss repariert werden. Wenn es regnet, ist alles überschwemmt", sagt Omer, der bestickte Kissen verkauft. Er beklagt, dass die rund 75 Euro, die Besitzer monatlich für den Erhalt des Basars zahlen müssen, nicht richtig verwendet würden. "Die Renovierung wird sich positiv auf den Basar auswirken", sagt dagegen Numan, der ein Souvenirgeschäft mit traditionellen Tellern und Schüsseln betreibt. "Es wird eine Belüftung für den Sommer und eine Heizung für den Winter geben."

Die Eingänge zum Basar wurden bereits verändert: Dort gibt es nun, wegen der Gefahr von Anschlägen, Sicherheitskontrollen. "Wir haben die Sicherheitsvorkehrungen verdoppelt", sagt Vize-Bürgermeister Oflaz, in dessen Stadtteil Fatih auch andere Sehenswürdigkeiten wie die Hagia Sophia und die Blaue Moschee liegen, die als potenzielle Anschlagsziele gelten.

Zehn Millionen Türkische Lira (2,6 Millionen Euro) sind für die Renovierung des Dachs veranschlagt. Die Kosten für die Sanierung des gesamten Basars werden auf 200 Millionen Lira geschätzt. Sie soll vier Jahre dauern. Doch ein mehr als 500 Jahre altes Gebäude werde niemals ganz fertig sein, sagt Oflaz. "Der Große Basar ist ein Ort mit Geschichte. Den kann man nicht von heute auf morgen renovieren."