Rom. Nach einer Serie von sechs Morden binnen drei Tagen herrscht in Neapel Angst vor einem neuen Mafiakrieg. Wie italienische Zeitungen am Sonntag berichteten, wurden von Donnerstag bis Samstag sechs Männer zwischen 23 und 72 Jahren erschossen. Mehrere Opfer wurden von zahlreichen Kugeln durchsiebt, einige Taten ereigneten sich an belebten Orten.

Bei einer Tat wurden zwei Männer mitten auf einer belebten Straße mit einer Salve aus einer automatischen Waffe getötet, als sie gerade auf einem Motorroller unterwegs waren. In einem anderen Fall wurden zwei Opfer in einer Trafik vor Dutzenden Augenzeugen ermordet. Das Vorgehen sei typisch für die neapolitanische Mafia Camorra, betonten mehrere Zeitungen. So viele Morde in so kurzer Zeit habe es seit 2004 nicht gegeben.

Die Ermittlungsbehörden äußerten sich zunächst nicht zu etwaigen Zusammenhängen zwischen den Verbrechen. Aber alle Opfer schienen Verbindungen zu einem der verschiedenen Clans der Camorra zu haben. Neapels Bürgermeister Luigi de Magistris warf der italienischen Regierung vor, seiner Stadt nicht genügend beim Kampf gegen das Verbrechen zu helfen.

Razzia mit knapp 70 Verhaftungen

Erst im März gab es in Neapel eine breit angelegte Razzia, bei der 69 Personen festgenommen worden. Ins Visier der Ermittler ist der Zagaria-Clan geraten, eine als besonders gefährlich eingestufte Gruppe der Camorra, so die Polizei.

Verhaftet wurden auch Unternehmer, Politiker und Universitätsprofessoren. Der Vorwurf lautet unter anderem Korruption und Mafia-Beihilfe. Politiker sollen von der Camorra unterwanderten Unternehmen öffentliche Aufträge zugeschanzt haben, berichtete die Polizei.

2017 wurde auch einer der berüchtigtsten Camorrabosse, Francesco Zagaria, von den Carabinieri verhaftet. Zagaria gilt seit Jahren als Nummer eins des einflussreichen Camorra-Clans. Mit seiner Festnahme wurde dem Casalesi-Clan ein schwerer Schlag versetzt. Der Organisation werden zahlreiche Morde sowie Drogenhandel, Korruption und Betrug zur Last gelegt.