Prag. Zum 50. Jahrestag des Warschauer-Pakt-Einmarschs in die Tschechoslowakei haben mehrere hundert Menschen vor der russischen Botschaft in Prag demonstriert. Sie hielten am Montagabend Ukraine-, Nato- und Europaflaggen sowie Spruchbänder wie "Okkupanten sind keine Brüder" hoch. Für die von August bis Dezember 1968 ums Leben gekommenen 137 Zivilisten zündeten die Menschen Kerzen an. Dutzende Polizisten bewachten den Eingang der Botschaft mit Absperrgittern.

In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 hatten Sowjetpanzer die populäre Reformbewegung der tschechoslowakischen KP-Führung um Alexander Dubcek niedergewalzt, wichtige Einrichtungen, Radiostationen und Zeitungsredaktionen in Prag wurden besetzt. Es gab 140 Tote, die Regierung der CSSR wurde gefangen genommen und später nach Moskau geflogen.

Dort unterzeichnete sie am 26.August das "Moskauer Protokoll", das unter anderem die Rücknahme der demokratischen Reformen des "Prager Frühlings", Wiedereinführung der Zensur und Stationierung sowjetischer Truppen in der Tschecholowakischen Sozialistischen Republik festlegte. Damit war Dubceks Vision eines "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" Geschichte. 162.000 Tschechen und Slowaken flüchteten daraufhin nach Österreich, wo sie mit offenen Armen empfangen wurden.