Ohnehin ist Wohnen in Exarchia nicht teuer. Für ein 50-Quadratmeter-Appartment zahlt man gegenwärtig 180 Euro, fast die Hälfte weniger als noch vor fünf Jahren. Die Krise lässt grüßen.

Aphrodite Mitsopoulou wohnt seit mehr als fünf Jahren mit ihrem Freund Georgios in Exarchia. Die 34-Jährige stammt aus Larissa in Zentralgriechenland, hat dann in Thessaloniki Architektur studiert, bis sie nach Athen zog, um Schauspiel zu studieren. "Hier läuft die Party", sagt sie lachend bei einem Glas Tee im "Floral". Weil es für Architekten derzeit keine Arbeit gibt, ist sie knapp bei Kassa. Ein Mal pro Woche trete sie mit einer Schauspielgruppe in einem Theater für Kinder auf, erzählt sie. Reich werden könne man damit nicht. Doch Aphrodite hatte eine schöne Idee. "Wir saßen mit Freunden bei mir zuhause und fragten uns: ‚Was tun?‘ Da sagte ich spontan: ‚Lasst uns singen!‘ "Daraus wurde der "Chor von Exarchia". Heute ist Mitsopoulou der Maestro. Und was wird gesungen? "Alles Mögliche. Das kann ‚Bella Ciao‘ sein oder auch ein griechisches Lied." Bei jeder Probe werde über Vorschläge abgestimmt. Das Lied, das die meisten Stimmen auf sich vereint, wird gesungen." Mitmachen könne jeder, sagt Aphrodite. Derzeit tun das mehr als zwanzig Hobbysänger. "Der Chor macht mir ungeheuer Spaß. Man kann seine Sorgen und Probleme vergessen. Die Krise ist da auf einmal ganz weit weg".

"Wir sind Antikapitalisten"


Aktiv sind auch sechs andere Exarchia-Bewohner. Einmal pro Woche kochen sie für Arbeitslose. Treffpunkt: das "Autonome Zentrum". Was gibt es heute? "Bratwurst mit Reis", sagt Tetta, eine der Organisatorinnen der "Arbeitslosenküche". Gerade wird gemeinsam Salat geschnitten. Ein junges Pärchen aus der Normandie, das gerade Athen besucht, macht auch mit. Einfach so. Die Arbeitslosen würden so viel für die Mahlzeit zahlen, wie sie können oder wollen, erklärt Tetta. "Wir sind bewusst gegen Wohltätigkeiten. Das erzeugt nur Bittsteller." Tetta und Co. sind stark politisiert, ohne sich dabei mit bestimmten Parteien zu identifizieren, mit bürgerlichen schon gar nicht. "Wir sind Antikapitalisten, die jede Art von Obrigkeit und Machtausübung ablehnen". Irgendwie typisch für Exarchia.