Oder man übergibt den Nachwuchs an, in weiser Voraussicht im Voraus bereits zusammengerufene, Helfer und macht so lange allein weiter, bis die Kekse wirklich duftend aus dem Ofen kommen. Einen zweiten Erwachsenen beim Keksebacken dabei zu haben, ist jedenfalls kein Luxus.
Zusätzliche Verstärkung empfiehlt sich insbesondere bei einer mehrköpfigen Helferschar unterschiedlicher Altersgruppen, denn sind die Minis schon fix und foxi, befinden sich ihre größeren Geschwister womöglich gerade mitten im Schaffensrausch. Und eigentlich sollte man weder die Kleinen noch die Größeren aus den Augen lassen, denn klebrige Masse, Mehl und Nudelwalker regen zu allerlei alternativen Kreativprojekten an. Hinzu kommt noch die Herausforderung, die lieben Kleinen, möglichst bevor sie sich anderen Spielen widmen, schnell zu säubern. Sonst finden sich Mehlstaub und Teigreste noch im Hochsommer danach an allerlei seltsamen Stellen.
Mangels zusätzlicher Helfer scheint der Fernseher oft der einzige Ausweg, er kann die Gemüter so wunderbar beruhigen – auch wenn er natürlich pädagogisch pfui ist und so gar nicht in den stillen Advent und zur nostalgische Keksbäckerei zu passen scheint. Womöglich ist eine weihnachtliche Kindersendung aber tatsächlich die nervenschonendste Variante, das Experiment friedlich ausklingen zu lassen.
Eltern mit Nerven wie Stahlseilen rufen dann noch zur zweiten Runde, dem Dekorieren, auf. Vielleicht empfiehlt sich das aber erst an einem Folgetag, das kommt auf die Kondition aller Beteiligten an. Weniger strapazierfähige Eltern verzichten lieber gänzlich auf eine der Runden und konzentrieren sich auf das, was für ihre Kinder am wichtigsten ist: verzieren oder ausstechen.
Apropos Keksdekoration: Bunte Zuckerperlen, Mandeln, Rosinen, Schoko- oder Marmeladeglasur kommen da ins Spiel. Wehe, wer da zu viel Auswahl bietet! Schnell verteilt sich diese Dekovielfalt großzügig durch die Wohnräume. So haben Zuckerperlen die Eigenschaft überall zu landen, wo sie nichts zu suchen haben, in Ohren und Nasen, Schuhen und Handtaschen, Betten, Sofas, …
Es empfiehlt sich auch vorab die Grundsatzfrage zu klären: Wer wird das üppig verzierte Naschwerk später wirklich essen? Klingt erst einmal komisch, aber ein Keks, das vor lauter Zuckerperlen und Glasur kaum noch zu erkennen ist, mag oft nicht einmal mehr sein kleiner Schöpfer verzehren.

Keksblues

Nehmen wir aber an, die Kekse sind endlich tatsächlich fertig geworden und landen mehr oder weniger verziert in passenden Aufbewahrungsdosen. Nun kommt der wirklich mühsame Teil, auch als "Keksblues" bekannt: Wer räumt den Dreck jetzt weg? Die Kinder sicher nicht, so viel ist klar. Die sind im besten Fall erschöpft und hocken mit glasigen Augen vor dem Fernseher – wie gesagt, die stillste Zeit des Jahres sorgt für pädagogische Herausforderungen. Oder sie rotieren mit zu viel Zucker intus durch die Gegend und können sich gar nicht mehr beruhigen – auch eine lustige Nebenwirkung der Keksebäckerei. Wer es schafft, den Nachwuchs rechtzeitig gesäubert und ruhig ins Bett zu bringen, verdient tiefsten Respekt, das fällt geradezu unter elterliche Perfektion.
Noch immer jedoch wartet da ein zuckerklebriges, mehlbestäubtes Schlachtfeld auf Säuberung. Mancher mag da zum Alkohol greifen – ganz schlechte Idee! Vor allem Vätern gelingt es zuweilen, das Chaos einfach zu vergessen und die Füße hoch zu legen. So mancher rackert aber so lange weiter, bis alles wieder normal aussieht, die Uhr schlägt dann mindestens Mitternacht, Beine und Kreuz sind nicht mehr zu spüren und man findet vor Erschöpfung das Bett kaum noch.
Ach ja, übrigens, zum Trost: Spätestens in elf Monaten sehen die Fotos von den Kleinen beim Keksbacken so unglaublich süß aus. Wenn dann die kalte Jahreszeit naht, überall der Duft nach köstlichen Bäckereien in der Luft hängt, hat man die Strapazen vergessen und wagt sich erneut ans vorweihnachtliche Keksbacken.
Alle Jahre wieder …