In St. Kilda stoßen Besucher auch auf den Luna Park, einen altmodisch-charmanten Vergnügungspark, den man durch den Mund eines überdimensionalen Gesichts betritt. Im Park finden sich Buden, moderne Fahrgeschäfte, aber auch die älteste durchgängig in Betrieb befindliche Achterbahn der Welt. Das imposanteste Riesenrad der Stadt dreht sich allerdings nicht hier, sondern in den Docklands. Das 2008 erbaute "Melbourne Star" ist 120 Meter hoch und damit nur 15 Meter niedriger als das "London Eye".

Neben dem Luna-Park als Pendant zum Wiener Wurstelprater gibt es in Melbourne natürlich auch ein Pendant zum legendären Zentralfriedhof: Der 43 Hektar große Melbourne General Cemetery wurde bereits 1853 eröffnet und ist damit einige Jahrzehnte älter als die Wiener Totenstätte. Gelegentlich werden dort abends auch Touren angeboten. Wer sich in Melbourne gruseln will, hat jedoch noch eine andere Möglichkeit: ein Spaziergang mit dem Henker durch das Old Melbourne Gaol. Das jetzige Museum war einst ein berüchtigtes Gefängnis, in dem mehr als 130 Menschen hingerichtet worden sind. Darunter auch Ned Kelly, ein australischer Robin Hood, der den Reichen nahm und die Kleinbauern verschonte, und deshalb durchaus populär war.

Benannt nach Lord Melbourne

Eine Ringbahn gibt es in Melbourne übrigens auch. Die Circle Line ist zwar kürzer als ihr Wiener Pendant, dafür fährt man jedoch mit der Tram Nummer 35 konkurrenzlos günstig, nämlich kostenfrei. Blickt man auf das gesamte Straßenbahnnetz Melbournes, das außerhalb der Circle Line natürlich nicht gratis verkehrt, ist dieses ohnehin eine Kategorie für sich: Mit einer Länge von 245 Kilometern und über 1800 Haltestellen ist es das größte Trambahnnetz der Welt.

Benannt ist Melbourne nach Lord Melbourne, er war zur Zeit der Gründung der Stadt britischer Premierminister. Von 1901 bis 1927 war Melbourne Hauptstadt, beziehungsweise Regierungssitz Australiens. Dann zog die Bundesregierung nach Canberra – eine aus dem Boden gestampfte künstliche Stadt, die gebaut wurde, um weder Sydney noch Melbourne zu bevorzugen.

Eine Sisi-ähnliche historische Herrschaftsikone gibt es in der rauen australischen Männerwelt nicht. Melbournes wohl berühmteste Frau heißt Chloé, doch eigentlich ist sie keine Australierin, sondern eine Französin. Ihr Aktportrait kam 1880 nach Melbourne und sollte auf der Melbourne International Exhibition ausgestellt werden, wogegen sich jedoch religiöse Organisationen entschieden wandten. Nachdem auch eine dauerhafte Ausstellung in der Nationalgalerie aufgrund von Protesten nicht möglich war, kaufte ein Hotel- und Barbetreiber das Gemälde – und hängte es im Jahr 1909 in seinem Gastraum auf. Der Erfolg war immens, und Soldaten, die in den Ersten Weltkrieg ziehen mussten, schrieben Chloé zum Teil sogar Liebesbriefe. "Ein Drink mit Chloé" war für viele Matrosen und Soldaten Pflichtprogramm, bevor ihr Schiff auslief. Im Jahr 2004, nach fast 100 Jahren im Pub des Young and Jacksons, wurde das Gemälde beschädigt, mittlerweile ist es jedoch wieder rekonstruiert und durch schusssicheres Glas geschützt.

Im Jahr 1954 waren in Melbourne olympische Spiele, und auch heute ist die Stadt in Sachen Sport ganz vorne mit dabei, vor allem in Sachen Tennis, Pferderennen, Automobilrennen und Cricket. Zu den Höhepunkten des Jahres zählen die Australian Open (Tennis), der Melbourne Cup (Pferderennen) und der Australian Formel 1 Grand Prix. Viele der Sportgelände sind vom wichtigsten Platz des Stadtzentrums, dem Federation Square, zu Fuß zu erreichen. Beispielsweise der Melbourne Cricket Ground (MCG), ein Stadion, das mehr als 100.000 Besuchern Platz bietet und das zu den größten der Welt gehört. Melbournes Grand-Prix-Strecke freilich ist etwas außerhalb, der Albert Park Circuit befindet sich im Stadtviertel Port Phillip. Die etwas über fünf Kilometer lange Route führt um einen See und zählt zu den schönsten Grand-Prix-Strecken der Welt – und sie fungiert außerhalb der Rennsaison als ganz normale Straße.