Die zwei Holländer, die beim Tourismusverband und bei Jank anklopften, hatten also den Film "Ein Hauch des Todes" gesehen und sich gefragt, ob dieser Riesensee mit dicker Eisschicht nicht die Lösung ihres Problems wäre. Ihr Nationalsport Eisschnelllaufen und der Hauptevent, die Elf-Städte-Tour über 200 Kilometer auf einst zugefrorenen Kanälen, Flüssen und Seen in der Provinz Fryslanquasi, fielen immer öfter im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser. Polen, Finnland, Schweden und Kanada waren als Alternativen für das bedeutendste Natureis-Langstreckenrennen im Eisschnelllauf im Gespräch – doch der Weißensee hatte nicht nur die James-Bond-Filmcrew überzeugen können, sondern auch die zwei holländischen Location-Scouts.

Man wollte, so versprach man, mit 500 Eisläufern kommen, was kaum einer glaubte – 1000 kamen dann wirklich! Bald waren es 4000, heute rechnet man mit 6000 holländischen Eisfans, die die 200 Profischnellläufer jeden Alters bejubeln, darunter auch internationale Spitzenschnellläufer, die über eine 50, 100 oder 200 Kilometer Distanz flitzen. Aber man kann es auch selbst probieren bei den zwei Volksläufen auf der größten präparierten Eisfläche Europas, bei denen jeder mitmachen kann. Seit der Einführung 1989 musste das Event in Kärnten nie abgesagt werden, während das Original in Holland nur noch einmal – im Jahr 1997 – stattfand. Ergänzt wird die eisige Veranstaltung heute auch noch durch einen Winter-Triathlon (Laufen, Eislaufen, Langlaufen), eine spannende, physisch heftige Herausforderung.

Rekord für 200 Kilometer

Der Weißensee, der seinen Namen übrigens von den weißen Seekreidebänken erhielt, in die er eingebettet liegt, wird von Eismeister Jank schon seit 1973 sehr genau beobachtet. Er weiß stets, wann das Eis wo wie dick war, im tiefen Ostteil des Sees (bis zu fast 100 Metern) sehr unterschiedlich. Der seichte Westteil (kaum tiefer als vier Meter) aber ist zuverlässig von November bis mindestens März befahrbar, bis zu 50 Zentimeter dick zugefroren, ab 4 Zentimeter bereits für Eisläufer zu benützen. "Zu St. Kathrein (25.November) friert der See zu, und wanns Sommer ist!", sagt man im Weißenbachtal. Dank dem geschulten Auge von Norbert Jank gibt es keine Unfälle, wenn man sich an die Regeln und die schneebefreiten Bahnen hält, was nicht alle Holländer tun, die sorglos bis zum Rand fahren, wie sie das von den seichten Grachten gewohnt sind, und dann herausgezogen werden müssen.

"Der See ist nicht tückisch", weiß Jank, die Eis-dünnenden Quellen liegen alle im Schilf. Mit Eishobeln, Besen und Pflügen, alle selbst gebaut, pflegt er mit einem Assistenten die 25 bis 30 Hektar Bahnen, jede 15 bis 20 Meter breit, an den 70 bis 80 Eislauftagen von etwa 100.000 Eisläufern befahren. "In Holland kennt man die Königin und mich." Ob bald wieder einmal der Rekord für die 200 Kilometer, im Jahr 2000 in 5 Stunden und 11 Minuten gefahren, fallen wird, weiß niemand. "Die Verhältnisse sind total unterschiedlich, Spiegeleis oder nicht, Wind, Temperatur." Es bleibt spannend. Die Eisdicke variiert, unbeeinflusst vom Klimawandel. "Meine Aufzeichnungen belegen, dass von 1989 bis 2004 die Eisstärke und die Dauer der Eisbedeckung erwartungsgemäß deutlich zurückgingen. In den letzten zehn Jahren ist jedoch eine klare Verbesserung zu verzeichnen."
Auch Langläufer tummeln sich auf dem See, Spaziergänger, Fatbikefahrer, hie und da finden sich einige zum "Scheiberln", zum Eishockey, oder zum Eisstockschießen. Sogar Biathlon wird angeboten, alles mit Einweisung oder Schulung. Die Natureislaufschule bietet neben Schuhen und Unterricht auch Laufstützen an, mit denen man die ersten unsicheren Schritte mit den langkufigen Eisen aufs Eis wagen kann. Und eine Kinderskischule und die erwähnte Weißensee Bergbahn auf die Naggler Alm mit beschneiter Abfahrt (und Rodelbahn) bietet Spaß im Schnee, gut gepflegt und familiengerecht, wie alles hier. Übrigens auch das Essen, einheimisch-kärtnerisch (Naggler Alm!) bis mediterran.