Die Grotte ist im Jahr 1935 vom Speläologen Robert de Joly erstmals erkundet worden. Das bis 121 Meter tiefe und über 4,5 Kilometer sich erstreckende Höhlensystem hat sich vor rund 100 Millionen Jahren gebildet. Nur ein kleiner Teil davon ist öffentlich zugänglich, aber der hat es in sich: Nachdem man zunächst einmal den Aufzug nach unten genommen hat, wandert man durch große, fahl beleuchtete Gewölbe mit mehrere Meter hohen Tropfengebilden, die mal an Tellerstapel, mal an Tannenzapfen, an hängende Laken oder an Totempfähle erinnern. Die Natur in Form herabfallender kalkangereicherter Tropfen zeigt sich als langsam, aber beharrlich arbeitende Schöpferin, die Stalagmiten und -titen wachsen einige Millimeter bis Zentimeter pro Jahrhundert. Das angeschlossene Museum Cité de la Préhistoire gibt didaktisch gut aufbereitete Einblicke in die Lebenswelt der frühen Menschen, darunter auch der Neandertaler, die vor 350.000 Jahren in dieser Region anzutreffen waren.

Mindestens ebenso spektakulär wie die Grotte von Orgnac ist jene von Padirac. Sie liegt zwei Départements weiter westlich, nämlich im Lot, hat aber ähnliche Voraussetzungen: ein Kalksteinmassiv und die Nähe eines Flusses, diesfalls die Dordogne.

Die Grotte von Padirac ist 1898 vom Speläologen Édouard-Alfred Martel, der diese Wissenschaft quasi erfunden hat, erstmals erforscht worden. Sie wurde später von ihm auch als Tourismusattraktion betrieben. Zunächst einmal handelt es sich um ein breites und 75 Meter tiefes Loch, das sich vor drei bis vier Millionen Jahren im Kalkfels gebildet hat. Daran schließen sich mehrere hohe Hallen sowie phantastisch und geradezu psychedelisch anmutende, im Zusammenspiel von Kalk und Wasser geformte Gewölbe an. Schlauchartige Gänge münden in Hallen mit Namen wie "salle du grand dôme" oder "grotte des merveilles", an vielen Stellen tropft es immerzu, und zuletzt kommt man in 103 Metern Tiefe an einen unterirdischen Fluss. Man besteigt eine Barke und fährt den Fluss einen Kilometer hinunter.
19 Kilometer weiter tritt er dann als Fontaine St. Georges beim Städtchen Montvalent an die Oberfläche. "In der Grotte sind an vielen Orten Muschelfossilien eingelagert, denn das Meer hat sich auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs erst vor etwa 65 Millionen Jahren zurückgezogen", erläutert Jean-François Mugin, der Geologe von Padirac, der die Barke stehend navigiert und dabei wie ein Gondoliere oder eher wie der Fährmann über den Lethe-Fluss aussieht. Denn ein wenig unheimlich ist das Setting mit den schroffen Steinwänden links und rechts, dem unablässigen Getropfe und dem smaragdgrün schimmernden Wasser schon.

Zu Füßen der Madonna

Die größte Attraktion des Départements Lot, der historischen Provinz Quercy, ist aber der Wallfahrtsort Rocamadour im Tal der Dordogne. Rocamadour, das einer steilen Felswand förmlich abgetrotzt ist, besteht seit über tausend Jahren und ist seit damals ein – auch am Jakobsweg liegender – Pilgerort. Heute ist es das nach wie vor, seiner Pittoreskheit wegen aber vor allem ein touristischer Hotspot des Départements. Da kann es vorkommen, dass eine Touristengruppe gerade die Schwarze Madonna mit ihren Handykameras abfotografiert, und plötzlich kommen zwei, drei Pilger mit Rucksäcken in die Kapelle herein, knien nieder und singen geistliche Lieder. Die Touristen sind von dieser fremdartigen innigen Frömmigkeit kurz irritiert – fassen sich aber gleich wieder und lichten rasch auch noch die Pilger ab.