Das hart am Fels stehende Ensemble aus sieben aneinander gereihten, aber separaten Kapellen und einer Basilika samt Reliquie (Gebeine des Heiligen Amadour) ist tiefstes gottergebenes Mittelalter. Insbesondere die holzgeschnitzte Madonna aus dem 12. Jahrhundert, Schutzpatronin der Seeleute und der Frauen mit Kinderwunsch, wurde und wird verehrt. Ihr Blick ist undurchdringlich, das Jesuskind auf dem Schoß wirkt wie ein Erwachsener im kleineren Maßstab.

Außerhalb der Kapelle steckt ein Schwert im Fels, das Roland, der Neffe Karls des Großen, angesichts einer drohenden Niederlage gegen die Sarazenen von den Pyrenäen bis hierher in den Fels geschleudert haben soll. So steht es zumindest in der "Chanson de Roland", dem Rolandslied – leise Zweifel sind angebracht. Ebenso wie an der Legende über den Ursprung des Wallfahrtsorts: In einer Nische im Gestein steht das Grabmal des Heiligen Amadour, eines Einsiedlers, der hier, man weiß nicht wann, gelebt haben soll. Nach Amadours Tod zersetzten sich dessen sterblichen Überreste nicht, was man für ein Wunder hielt. Weitere in Verbindung mit der Muttergottes schlossen sich an – Rocamadour wurde im Mittelalter zu einem bedeutenden Pilgerort.

Ein zeitgenössisches Echo auf diesen Umstand findet sich interessanterweise in Michel Houellebecqs Roman "Unterwerfung", der das Szenario eines islamisierten Frankreichs durchspielt. Darin bekommt der Protagonist von einem Bekannten den Tipp, nach Rocamadour zu reisen, um herauszufinden, worin denn nun die französische Kultur im Innersten bestehe: "Die Wallfahrt von Rocamadour war eine der berühmtesten der Christenheit, wissen Sie. Henry Plantagenet, der Heilige Dominikus, der Heilige Bernhard, der Heilige Ludwig, Ludwig XI., Philipp IV. … Sie alle sind zu Füßen der Schwarzen Madonna niedergekniet (… ) In Rocamadour können Sie wirklich ermessen, in welchem Maße das christliche Mittelalter eine große Zivilisation war."

Etliche Ortschaften im Tal der Dordogne zählen zu den schönsten Frankreichs und sind auch entsprechend klassifiziert. Angesichts des Übermaßes an Idyll und heiler Welt fühlt man sich unwillkürlich an Charles Trenets Chanson "Douce France" erinnert. So etwa im mittelalterlichen Ort Autoire, der in einer Mulde liegt und einen Wasserfall in der Nähe hat. Die herrschaftlichen Häuser in Autoire dienten dem wohlhabenden Bürgertum früherer Zeiten als Ferienhäuser. Oder in Loubressac, das auf auf einem Hügel hoch über dem Dordogne-Tal thront und Ausblicke weit ins Land bietet.

Ein weiterer entzückender Ort hier im Umkreis ist auch Carennac, ursprünglich ein – im 11. Jahrhundert gegründetes – Priorat (Kloster) der Cluniazenser, um das herum sich nach und nach die Ortschaft bildete. Der Schriftsteller François Fénelon, mit vollem Namen François de Salignac de La Mothe-Fénelon, wirkte hier zeitweilig als Abt, ehe er zum Erzbischof von Cambrai und später zum Hauslehrer des Enkels von Ludwig XIV. berufen wurde. Die Stein- und Fachwerkhäuser stammen aus Mittelalter und Renaissance, die Kirche Saint-Pierre hat, wie auch der Kreuzgang des Klosters, romanische Anteile. Sie ist es wert, einen Blick hineinzuwerfen – ebenso wie die Boutique de la Noix gleich gegenüber, in der regionale Spezialitäten, darunter Nussöl und -schnaps, verkauft werden.