"Hier ist ein Bär auf dem Rücken herunter gerutscht" 

Das ist auf dieser Reise nicht nötig. Bären lassen sich an Land keine blicken. Bei einem Ausflug auf die Insel Shannon entdeckt Guide Birger Amundsen aber den Abdruck von Tatzen im Schnee. Und eine merkwürdige Schleifspur an einem Abhang. "Hier ist ein Bär auf dem Rücken herunter gerutscht", weiß Birger, Autor eines Buches über Eisbären. Dass ein Bär in der Nähe sein muss, zeigt sich drei Tage später bei einem Ausflug auf die Insel Ymer. Hier liegt in der Blumenbucht (Blomsterbukta) eine angefressene Robbe am Strand. Sie ist noch nicht lange tot. "Seltsam, dass der Bär eine Hälfte liegen ließ", rätselt Birger. Vielleicht fühlte er sich gestört, als die Fram die Küste ansteuerte. Einige Stunden später wird er in Ruhe den Rest verspeisen können.

Aus der Ferne wirkt die felsige Küste des Nationalparks karg und lebensfeindlich. Kaum vorstellbar, dass hier etwas wachsen kann. Doch an Land findet sich eine unglaubliche Vielfalt an Pflänzchen im Bonsaiformat. Botaniker zählten in Grönland 500 Blumengewächse, selbst Orchideen gedeihen hier. Und das in einer der extremsten Regionen der Erde mit Temperaturen im Winter von bis zu minus 50 Grad. Wer als Pflanze in der Arktis überleben will, muss sich ganz klein machen. So wie die Polarweide, die nur wenige Zentimeter misst.

Schiff "Alabama" vom Eis zerquetscht 

Die viele tausend Kilometer lange Nordostküste wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts vollständig erkundet. Mehrere Männer verloren dabei ihr Leben. Einige ihrer spartanischen Unterkünfte sind bis heute erhalten und können besichtigt werden. Wie die Alabamahütte auf der Insel Shannon. Hier mussten die Polarforscher Ejnar Mikkelsen und Iver Iversen in den Jahren 1910-12 überwintern, nachdem ihr Schiff "Alabama" vom Eis zerquetscht worden war. Das Winterquartier zimmerten sie aus Teilen des Schiffwracks zusammen. Um nicht durchzudrehen, schrieben sie Liebesbriefe an imaginäre Freundinnen. Im Zweiten Weltkrieg betrieben deutsche Soldaten hier eine Wetterstation. Als sie von den Dänen vertrieben wurden, ließen sie Waffen und Munition zurück. Sogar Granaten haben Guides der Fram hier schon entdeckt.

Während die meisten Passagiere draußen dick eingemummelt herumlaufen, reicht Ole Richter ein leichtes Sweatshirt. Und er geht sogar mehrmals baden – bei einer Wassertemperatur von knapp zwei Grad. Einige Gäste tun es ihm gleich nach, unter Aufsicht der Schiffs-ärztin aus Panama. Für den Norweger ist es eine Reise auf den Spuren seines verstorbenen Großvaters Søren. Der war als junger Mann im Nordosten Grönlands unterwegs, um Bären und Polarfüchse zu jagen.