Und er schrieb damals Geschichte in der Mückenbucht (Myggbukta), einem der Ziele der Fram. Hier hissten Oles Opa und vier andere Trapper am 27. Juni 1931 die norwegische Flagge und erhoben im Namen von König Haakon Anspruch auf ein riesiges Gebiet. Doch der Ständige Internationale Gerichtshof in Den Haag erklärte die Annexion zwei Jahre später für nichtig. Ganz Grönland blieb damit weiterhin dänisches Hoheitsgebiet.

Im Süden des Nationalparks werden die Berge immer höher. Es ist der landschaftlich spektakulärste Teil der Reise. Die Fram biegt ein in den schmalen Alpefjord, der eingerahmt wird von bis zu 2700 Meter hohen, frisch verschneiten Gipfeln. Am Ende des 46 Kilometer langen Fjordes stoppt das Schiff für einige Stunden vor dem Gully-Gletscher. Beiboote kreuzen in respektvollem Abstand vor der Abbruchkante. "Kalbt" ein Gletscher, kann dies meterhohe Wellen verursachen.

Zehn Meter hohe Wellen

Nach Tagen mit Sonnenschein und ruhiger See schlägt das Wetter um. Die Fram verlässt den Nationalpark und nimmt Kurs auf das im Nebel eingehüllte Dorf Ittooqqortoormiit. Übersetzt heißt das "Wohnplatz mit den großen Häusern". Für unsere Verhältnisse sind die Holzhäuschen jedoch winzig. Nur 450 Menschen leben hier eher schlecht als recht von der Jagd und etwas Tourismus. Ittooqqortoormiit ist die einzige Siedlung im Nordosten Grönlands. Der nächste Ort Tasiilaq liegt 800 Kilometer weiter südlich.

Bei der Rückfahrt nach Island gerät die Fram in schwere See. Im Restaurant fliegen Geschirr und Speisen umher. Suppe schwappt auf den Teppich, Gläser und Teller zerbersten. Als das Schiff Schlagseite bekommt, schlittern Passagiere meterweit auf ihren Stühlen. "Halten sie sich an den Tischen fest", rät ein Kellner. Der Koch schaut ratlos. All die Mühe für das abendliche Fünf-Gänge-Menü ist umsonst gewesen. In der Nacht steigert sich der Sturm zu einem Orkan mit Windstärke 12. Über zehn Meter hoch türmen sich die Wellen auf. Tapfer kämpft sich die Fram stundenlang durch die aufgewühlte Dänemarkstraße. "Kein Grund zur Sorge", beruhigt Kapitän Andreassen. Erst gegen Morgen legt sich der Sturm, als das Schiff auf die isländischen Westfjorde zusteuert.

Dem gut gelaunten Kapitän ist die anstrengende Nacht nicht anzumerken. Der Norweger ist zu beneiden. Noch nie sei er seekrank geworden, erzählt er. Und Angst habe er selbst im schwersten Sturm noch nie verspürt. Den Passagieren, denen es in dieser Nacht übel wurde, bleibt der Trost: Dem Polarforscher Nansen soll es auf seiner Fram auch nicht besser ergangen sein.

Die meisten Gäste verlassen in Reykjavik das Schiff. Mit einem vom Kapitän ausgestellten "Sturmzertifikat" im Gepäck. Einige wohlhabende Touristen aus China reisen weiter über die Kapverden in den Amazonas und dann in die Antarktis. Insgesamt 88 Tage dauert die Kreuzfahrt von einem Ende der Welt zum anderen.