Damals wie heute sind etwa Kardamom, Aloeholz oder Vetivergras wichtige Inhaltsstoffe orientalischer Parfüms. In Indien, einem der Hauptländer für den Export der duftenden Rohstoffe, wurden dieselben hauptsächlich für Räucherrituale und zu medizinischen Zwecken genutzt, das Kamasutra bietet dagegen reichlich Informationen zum Umgang mit duftenden Salben und Ölen zur Steigerung der Attraktivität und der Lust.

In Europa war man zu dieser Zeit gerade einmal mit dem Lavendelwasser vertraut, bis die Kreuzritter die duftenden Mixturen aus dem Morgen- ins Abendland brachten. Doch erst mit dem Aufstieg Venedigs zum wichtigsten Handelsplatz des spätmittelalterlichen Europas und dem entsprechenden Umsatz von Kräutern und Gewürzen sowie der Entwicklung der handwerklichen Kenntnisse und der technischen Voraussetzungen, um Destillate von hoher Konzentration herstellen zu können, entdeckten auch die Europäer ihre Liebe zu Parfüm. Katharina von Medici (1519-1589) schließlich verhalf der "Parfümerie" zum Durchbruch: Sie liebte feine Lederhandschuhe, mochte allerdings den Geruch der Gerbsubstanzen nicht. Weshalb ihr eigens aus Italien mitgebrachter, persönlicher Parfümeur ihre Handschuhe beduftete…

Was für den Hochadel und die oberste Bürgerschicht recht und billig (oder im Fall von Parfüm teuer) war, galt natürlich nicht für das gemeine Volk – nicht jedermann durfte sich mit wohlriechenden Essenzen beduften. Schon der Alchemist und Apotheker Francesco Tombarelli, der im französischen Grasse ein Laboratorium zur Herstellung von Düften eröffnet und die Stadt zum Gründerzentrum der europäischen Parfümindustrie gemacht hatte, schrieb: "Gute Myrrhe in den Mund zu nehmen geziehmt sich für den einfachen Mann nicht."

Den wichtigsten Bestandteil moderner Parfüms, nämlich reinen Alkohol, entdeckten arabische Gelehrte im 13. Jahrhundert. Damit wurden Öle und Salben quasi überflüssig und die Quintessenz des Duftes stand in flüssiger Form zur Verfügung. Neben rund 80 Prozent Alkohol sind weitere Grundbestandteile von Parfüm destilliertes Wasser und darin gelöste natürliche Essenzen (ätherische Öle pflanzlicher oder tierischer Herkunft), die heute meist synthetisch hergestellten Duftstoffen gewichen sind. Natürliche Riechstoffe werden aus dem zerkleinerten Rohmaterial durch Destillation, Mazeration Einweichen), Enfleurage (Absorption durch Fett), Extraktion oder Expression (Auspressen) gewonnen.

Parfüms haben unterschiedliche Duftintensitäten und Duftwirkungen, die von der Riechstoffauswahl und Riechstoffkonzentration beeinflusst werden. Dabei werden folgende Schwellenwerte beobachtet:

Duftwirkungs-Schwelle: Ab dieser noch nicht wahrnehmbaren Intensität reagiert der Körper auf den Duft.