Wahrnehmungs-Schwelle: Aura, man riecht etwas, kann es jedoch noch nicht zuordnen.

Erkennbarkeits-Schwelle: Duft ist erkennbar und benennbar; mit steigender Duft-Intensität wandelt sich der Duft von "angenehmer Duft" über "aufdringlicher Duft" bis hin zur Flucht-Schwelle.

Wird letztere erreicht, muss das Gegenüber wohl in Parfüm gebadet haben, wenn unsere nicht besonders gut ausgestatteten Nasen uns eine solche Reaktion suggerieren. Denn mit etwa 350 Geruchsrezeptoren und rund zehn Millionen Geruchszellen ist der Mensch quasi geruchsblind im Vergleich etwa zum Hund, der mit rund 1200 Geruchsrezeptoren und bis zu 220 Millionen Geruchszellen (anhängig von der Länge der Schnauze) um etwa eine Million Mal besser Gerüche wahrnehmen kann als der Mensch. Und er steht nicht an der Spitze der Liste der Superschnüffler…

Egal ob ein Parfüm blumige, moschusähnliche, orientalische, fruchtige, frische oder klassisch-elegante Duftnuancen aufweist, es setzt sich (fast) immer aus Kopf-, Herz- und Basisnote zusammen:

Die Kopfnote ist unmittelbar in den ersten Minuten nach dem Auftragen des Parfüms auf der Haut wahrnehmbar. Sie ist meist intensiver als die anderen und wird von leichtflüchtigen Duftstoffen geprägt.

Die Herznote ist wenige Stunden, nachdem sich die Kopfnote verflüchtigt hat, zu riechen und bildet den eigentlichen Duftcharakter (das Herzstück). Sie wird oft auch als Mittelnote bezeichnet.

Die Basisnote ist der letzte Teil des Duftablaufes und enthält langhaftende und schwere Bestandteile.

Was als moderne Parfümeurkunst im 19. Jahrhundert begann, ist heute eine ganze Industrie, in der es nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Verpackung und Bewerbung ankommt. Durch neue Techniken in der Glasherstellung war es möglich, von der traditionellen Flaschenform abzuweichen. Und je markanter dieses Gefäß war, desto besser für den Bekanntheitsgrad – und den Absatz. Einer der ersten, der seiner Fantasie in Sachen Gestaltung freien Lauf ließ, war René Lalique. Er nutzte zwar auch Pressglas, doch patentierte er eigene Formen, die stark von den herkömmlichen schlichten abwichen. Bäume, Blüten, Tiere oder mythische Figuren in zarten Farben zierten die Gefäße oder bildeten den Verschluss.

Heute gibt es keine Flakonform, die es nicht gibt, doch nur wenige sind Klassiker geworden: Dazu gehören der seit 1921 nahezu unverändert gebliebene Flakon von Chanel No.5 oder die Männer- und Frauentorsi von Jean Paul Gaultier. Und da sind wir auch schon bei den Namen: Vor allem für viele Modedesigner ist eine Parfümlizenz eine willkommene zusätzliche Einnahmequelle. Und so gibt es Parfüms von Armani bis Zegna und allen dazwischen. Der Name allein hilft zwar schon, doch die entsprechende Werbung in Form von Anzeigen und Plakaten ist unumgänglich. Vom reinen Abbilden des Flakons bis zur Personifizierung ist alles möglich – und so manche Anzeige wurde zum echten Aufreger. Der erste, der eine riesigen Aufschrei der moralischen Entrüstung auslöste, war Yves Saint Laurent, als er sich 1971 nackt für sein erstes Männer-Parfüm "Pour Homme" ablichten ließ. Den nächsten Skandal lieferte er 2003 mit seinem siebten Herrenduft "M7", für den Model Samuel de Cubber wirklich alles herzeigte. Das Sujet wurde nur in wenige Magazinen abgedruckt, doch der ikonische Mythos machte den Duft zu einem Erfolg – bis heute. Nacktheit beiderlei Geschlechts in der Parfümwerbung ist heute gang und gäbe und regt wohl kaum jemand mehr auf. "Sex sells" beweist sich hier deutlich, und schließlich sagte schon Yves Saint Laurent: "Nichts ist schöner als ein nackter Körper. Das schönste Kleidungsstück, das eine Frau tragen kann, ist die Umarmung eines Mannes, der sie liebt. Und für die, die dieses Glück nicht finden, bin ich da!"