Zu Lebzeiten war Pablo Picasso nur ein einziges Mal in Basel – im September 1932, als er auf der Fahrt nach Zürich, wo die erste Museumsausstellung seiner Werke stattfand, in der Stadt am Rhein übernachtete. Und doch ist Basel mit seinem Namen in besonderer Weise verbunden geblieben. Das lag zunächst an den Ereignissen des Jahres 1967, als zwei seiner Kunstwerke als Leihgaben im Kunstmuseum Basel lagerten, aber aufgrund des Konkurses des Privatbesitzers zum Verkauf anstanden, was die kunstsinnigen Bürger der Stadt tapfer zu verhindern wussten: einerseits durch Spendenaktionen ("All you need is Pablo" stand auf Transparenten), andererseits durch eine Volksabstimmung, bei der sich eine Mehrheit dafür aussprach, dass die Regierung die Bilder ankaufen sollte. (Man mag sich gar nicht vorstellen, wie solch ein Plebiszit heute, in – auch in der Schweiz – populistischen Zeiten, ausginge …) Davon war wiederum Picasso derart gerührt, dass er der Stadt Basel kurzerhand drei Gemälde und eine Skizze schenkte, die bis heute zum Grundbestand des Kunstmuseums gehören.

Und nun, etwas mehr als 50 Jahre später, kehrt Pablo Ruiz Picasso (dessen voller Name aus insgesamt 19 Wörtern besteht, aus Platzgründen hier aber nicht ausgeschrieben wird) wieder nach Basel zurück, und zwar in Form der prägenden Werke aus seiner frühen Schaffensphase. Die imposante Schau "Der junge Picasso – Blaue und Rosa Periode" in der Fondation Beyeler umfasst die Zeit von 1901 bis 1907 – und zeigt, wie aus dem 19-jährigen Spanier in relativ kurzer Zeit jener epochale Künstler wurde, der von sich selbst sagte: "Ich wollte Maler sein und bin Picasso geworden."

508 Bilder hat er in dieser Zeit gemalt, wovon 75 in der Ausstellung präsentiert werden, die in solch einer Dichte und Zusammenstellung bisher noch nirgendwo zu sehen waren. Sam Keller, künstlerischer Leiter der am Rande Basels wunderschön gelegenen Fondation Beyeler, hat sie, neben eigenen Beständen, dank bester internationaler Kontakte aus Privatsammlungen und Museen geliehen und auf zehn Räume verteilt. (Der Versicherungswert der Kunstwerke beträgt übrigens vier Milliarden Schweizer Franken.)

Wer von Picasso hauptsächlich die Werke aus dessen kubistischer Phase kennt (und davon vielleicht auch schon genug gesehen hat), wird hier mit einer malerischen, farblichen und figurativen Pracht konfrontiert, die in der Beschäftigung mit dem Werk des weltweit berühmtesten Malers der Moderne selten im Mittelpunkt steht.