Genau genommen sind es drei Perioden, die man in dieser Zeit, die Picasso hauptsächlich in Spanien und Paris verbrachte, unterscheiden kann. Zunächst, als er 1901 als absoluter Nobody zum zweiten Mal in seinem Leben nach Paris kam, war er von einem resoluten Selbstbewusstsein getragen, das etwa in dem vor Farbe strotzenden Selbstporträt "Yo, Picasso" ("Ich, Picasso") zum Ausdruck kommt. Auch sonst nutzte er die gesamte Farbpalette, um das vor allem nächtliche und halbseidene Geschehen in der französischen Metropole darzustellen. Erst nachdem sein enger spanischer Künstlerfreund Carles Casagemas – aus unglücklicher Liebe – Selbstmord begangen hatte, reduzierte er die Farbtöne, verwendete hauptsächlich nur noch Blau, um nunmehr Themen wie Tod, Trauer und gebrochene Menschen am Rande der Gesellschaft zu kolorieren. Es sind dunkle, bedrückende, aber in ihrer Klarheit auch faszinierende Bilder (das weißlich strahlende Auge der halbblinden Kupplerin in "La Celestina" wird man so rasch nicht vergessen). Ein weiteres Selbstporträt von 1901 zeigt Picasso als einen nun völlig anderen, ernsthaften, in sich gekehrten Menschen (siehe Abbildung links).

Erst 1904, mittlerweile in Paris etabliert (und sesshaft), beginnt Picasso, wieder vermehrt mit anderen Farben zu malen, hauptsächlich in Rosa- und Ockertönen, und andere Sujets darzustellen: So wendet er sich nun dem Milieu der Artisten, Akrobaten und Gaukler zu. Auch hier überwiegen ernste Gesichtszüge und kantige Körperkonturen (die da und dort schon geometrische Anklänge erkennen lassen), aus denen sich der mittlerweile mit Fernande Olivier erotisch und musisch verbandelte Künstler erst herauswand, als er mit ihr für einige Wochen in das katalanische Bergdorf Gósol reiste. Dort beginnen die Körper, nunmehr weitgehend entkleidet, buchstäblich Fleisch anzusetzen, rundlicher zu werden. Es sind dralle weibliche Akte, die in Folge – auch unter dem Einfluss von afrikanischer und ozeanischer Kunst (und in Anlehnung an die exotischen Bildwelten von Paul Gauguin) – zu jenen Werken führen, die den Kubismus einläuten, wie "Les Demoiselles d’Avignon".

Mit dieser neuerlichen ästhetischen Wende endet die eine Ausstellung – und es geht mit einer anderen weiter: "Picasso Panorama" betitelt, die – als Ergänzung und Erweiterung zur Blau/Rosa-Schau – die Bestände aus der Sammlung Bleyeler zeigt: rund 40 Werke, die das gesamte künstlerische Panorama zwischen 1907 und 1972 aufspannen. (Picasso hat in seinem Leben, das 1973 mit 91 Jahren endete, die unglaubliche Zahl von 50.000 Werken geschaffen.) Beide Schauen, die angenehm gehängt sind, überfordern den Betrachter nicht, lassen ihm (wenn der Publikumsandrang nicht zu groß ist) Raum für eigene Zugänge zu Bildern und Skulpturen.

Ein wenig Bilderhunger sollte man sich in der Kunststadt Basel (die jeden Juni auch die Kunstmesse "Art Basel" beheimatet) sowieso aufheben, da sie andernorts noch viel zu bieten hat. Vor allem im renommierten Kunstmuseum, das – begonnen als privates Kunstkabinett im 16. Jahrhundert, im 17. die erste öffentliche Kunstsammlung wurde – heute in zwei Häusern eine großartige Sammlung aller wesentlichen Kunstepochen beherbergt. Von frühen Meisterwerken Holbeins (wie etwa "Toter Christus", welches schmale, klaustrophobische Bild Dostojewski bei einem Besuch 1867 buchstäblich den Atem nahm) über die mythologischen Bilder Arnold Böcklins oder die pittoresken Landschafts- und Berggemälde des Schweizers Ferdinand Hodler bis zu den Exponaten klassischer (US-)moderner Künstler wie Jasper Johns, Mark Rothko oder Barnett Newman reicht die Galerie. (Ein monochromes Bild von Letztgenanntem, "Day Before One" betitelt, führte beim Ankauf 1959 zu langen, ratlosen Gesichtern der Sponsoren – und 1975 zur kuriosen Aktion, dass ein das Museum mitfinanzierender Bau- und Schriftenmalermeister sich herausgefordert fühlte, solch ein – nur aus Blau bestehendes – Newman-Bild auch "so gut und aussagekräftig" malen zu können, was er dann prompt auch tat: Die Replik hängt bis heute im Entree des Basler Gewerbehauses . . .)