Wein aus Niagara
Noch eine Überraschung: In der Provinz Ontario wird auf der Niagara-Halbinsel auch Wein angebaut. Über 6000 Hektar Weingärten weisen die Statistiken aus. Die beiden großen Seen, der Erie- und der Ontario-See, mildern nämlich das Klima und lassen zu, dass hier exzellente Weine hergestellt werden können. Bei der Besichtigung des Weinbaubetriebes "Riverview Estate Winery" in der Nähe des Niagara Flusses kann man sich von der hohen Qualität persönlich überzeugen. Der Betrieb bewirtschaftet rund 10 ha Weingärten mit den Hauptsorten Vidal – eine kanadische Sorte – Riesling, Chardonnay sowie Merlot und Cabernet Franc. Rund ein Drittel wird als Eiswein produziert. Kanada ist der größte Eisweinproduzent der Welt.

Mennoniten und Hutterer
Aber Kanada hat noch mehr Überraschungen zu bieten. Etwa die großzügige Toleranz in Glaubensfragen. Fernab vom Tourismus und der Hektik der Großstädte leben nämlich auf dem Staatsgebiet Kanadas Mennoniten und Hutterer. Sie sind Glaubensgemeinschaften, welche Komfort und Luxus verurteilen. Ihre Kinder werden in eigenen Schulen unterrichtet. Auf das Tragen von Schmuck oder Kleidung in bunten Farben wird gänzlich verzichtet. Mennoniten sind eine evangelische Freikirche, die auf die Täuferbewegungen der Reformationszeit zurückgeht. Geschichtlich sind sie eng mit den Hutterern und Amischen verbunden. Die Felder der Mennoniten werden teilweise noch mit dem Pferd bestellt. Sollte es gelingen, einen Mennoniten-Hof mit seinem typischen grünen Dach zu besuchen, dann kann man erleben, wie die Landwirtschaft vor über 100 Jahren auch in Europa funktioniert hat. Da sich die Täufer zur Gewaltfreiheit bekennen, müssen die Männer auch nicht zur Armee einrücken. Das Modell der Freikirche steht außerhalb der staatlichen Strukturen. Mennoniten zahlen Steuern, verlangen aber nichts vom Staat. Für das Leben im Ruhestand und die Krankenversorgung sorgen sie selbst. Auch die Hutterer-Kolonien führen in Kanada in die Vergangenheit: Die in Europa verfolgten Hutterer sind im 18. Jahrhundert aus Tirol und Deutschland ausgewandert. Sie sind eine katholische Glaubensgemeinschaft, die in Kommunen mit etwa 100 Personen lebt. Bürgerliche Vorstellungen von Eigentum, Leistung und Konkurrenz werden abgelehnt. In Kanada existieren rund 300 solcher Kolonien. Sie sind Selbstversorger und bewirtschaften Betriebe bis zu 5000 Hektar. Mit Ackerbau, Rindern, Schweinen und bis zu 30.000 Legehennen sorgen sie für den wirtschaftlichen Erfolg der Kommune. Verkauft wird, was man nicht selbst benötigt. Ausgestattet sind die Betriebe, anders als die Mennoniten, meist mit modernsten Maschinen. Im Gegensatz dazu steht ihre Lebensweise. Die Mitglieder der Kolonie arbeiten alle für die Gemeinschaft und haben keinen Privatbesitz. Kleidung und Schuhe werden selbst genäht, Wohnungen und Möbel selbst gezimmert. Die Frauen tragen lange Röcke und eine Kopfbedeckung, die Männer schwarze Hosen mit Hosenträgern, Kinder gibt es so viele "wie Gott ihnen schenkt". In jeder Kolonie gibt es eine Schule, in der aber in der ersten Stunde nur Deutsch in Wort und Schrift gelernt wird. Die Sechsjährigen schreiben gestochen scharf in Kurrentschrift. Und die Frage eines Besuchers, ob er einen "Washroom" aufsuchen könne, wird vom Lehrer im Tiroler Dialekt beantwortet: "Wüllscht lei aufs Häusl?"