Sieben Jahre nach der Gründung des "Playboy"-Magazins eröffnete Playboy Enterprises am 29. Februar 1960 in der Walton Street 116 in Chicago den ersten Playboy Club. Es war der Grundstein für eine Reihe weiterer Nachtklubs und "Erholungsorte", wie die schicken Klubs auch gerne bezeichnet wurden, in den größten Städten der Welt, darunter London oder Tokio. Jeder verfügte über einen Salon, ein Esszimmer, einen Klubraum und eine Playmate-Bar. Doch weder die Ausstattung noch die namhaften Unterhaltungskünstler oder exklusiven Getränke waren die Hauptattraktion, sondern das Servierpersonal. Hübsche, junge Mädchen in einem trägerlosen Korsett-Teddy mit einem flauschigen Hasenschwänzchen, schwarzen Strumpfhosen, einem Kragen mit Fliege, Manschetten und Hasenohren servierten Drinks, plauderten mit den Gästen und lächelten den ganzen Abend.

Anfangs sah das Kostüm allerdings nicht annähernd so schick und sexy aus wie in späteren Jahren, eher wie ein Badeanzug mit einem weißen Garnknäuel auf der Kehrseite und einem Stirnband mit Hasenohren. Die Idee zu diesem Hasenoutfit als Referenz zum Playboy-Logo hatte die lettische Schauspielerin Ilse Taurins, die zu der Zeit mit Victor Lownes III., einem der Co-Gründer der Playboy-Clubs, liiert war. Angefertigt wurde der Prototyp von ihrer Mutter, einer Näherin.

Die Ohren kleiner, der Beinausschnitt höher

Hugh Hefner, der Gründer des "Playboy"-Magazins und Mitgründer der Playboy Clubs, war angetan von der Idee, veranlasste allerdings Verbesserungen. So ließ er etwa den Beinausschnitt höher ansetzen, um die V-Silhouette besser zur Geltung zu bringen. 1962 wurde die französische Designerin Renee Blot damit beauftragt, das Bunny-Outfit attraktiver zu gestalten. Sie machte die Ohren kleiner, fügte einen Kragen mit Fliege sowie Manschetten dazu und eine Stoffrosette mit dem Namen des jeweiligen Bunnies, die an der Hüfte getragen wurde. Die Satin-Kostüme gab es in zwölf Farben. Der Satin wurde ein paar Jahre später durch Stretchstoff ersetzt, um die Körper der Trägerinnen noch besser in Szene zu setzen. Auch die Strümpfe änderten sich – waren es anfangs Netzstrumpfhosen, so trugen die Bunnies später eine hautfarbene und darüber eine schwarze Strumpfhose. Die High Heels waren allerdings von Anfang an unverzichtbares Requisit und mussten – im Gegensatz zum Kostüm – vom Bunny selbst bereitgestellt werden.

Die Uniformen, die sich von Klub zu Klub leicht unterscheiden konnten, wurden für jedes Bunny maßgeschneidert. Sie bestanden grundsätzlich aus zwei Teilen: Der Vorderteil war in verschiedenen Cup-Größen vorgenäht. Die Näherin, die im jeweiligen Klub Dienst hatte, nähte das Bunny dann in den passenden Vorder- und Rückenteil ein, damit das Kostüm falten- und rutschfrei passte. Dass ein Bunny nicht mehr als rund ein halbes Kilo zu- oder abnehmen durfte, war so gesehen logisch…

Jedenfalls wurde das Kostüm derart bekannt, dass es sogar beim United States Patent and Trademark Office unter der Nummer 0762884 registriert wurde. Auch zwei Bücher widmeten sich ausführlich dem Hasenkostüm: "Big Bunny" von Joe Goldberg (1967) und "The Bunny Years" von Kathryn Leigh Scott (1998).

Die Auswahl, wer als Bunny in den Playboy Clubs arbeiten durfte, war sehr selektiv. Was von einem Bunny erwartet wurde und was es als Ausgleich dafür bekam, ist in einer eigenen Broschüre nachzulesen. Sie wurde erstmals Anfang 1960 herausgegeben (und viele Jahre später auf der Seite www.explayboybunnies.com veröffentlicht) und enthielt auch ein knappes Bewerbungsformular.

Während es zwar keine Standards für Größe oder Gewicht gab, obwohl beide sowie Haar- und Augenfarbe und Körpermaße sehr wohl angegeben werden mussten, waren ordentliche Proportionen und eine attraktive Gesamterscheinung eine Grundbedingung ebenso wie Charme, eine fröhliche Persönlichkeit und eine gute Körperhaltung. Mädchen, die jünger als 18 oder älter als 25 Jahre waren, brauchten sich allerdings nicht zu bewerben. Die Frage nach dem beruflichen Hintergrund wirft ein interessantes Licht auf die Welt der arbeitenden Frauen in den 1960er Jahren: Studentin, Stewardess, Sekretärin, Schauspielerin, Model, Lehrerin, Tänzerin oder Rezeptionistin werden da zum Ankreuzen angeboten.

Die bestimmte Bunny-Pose

Doch die Leistungen des Unternehmens schienen vielen Mädchen erstrebenswert und auch die möglichen Kontakte zu Größen aus der Film-, Fernseh- und Bühnenwelt, die in den Playboy Clubs regelmäßig ein- und ausgingen, waren ein attraktiver Anreiz, sich zu bewerben und dem strengen Training, das bei Aufnahme folgte, zu unterziehen. Zur Ausbildung zum perfekten Bunny gehörte unter anderem, 143 Alkoholmarken zu kennen oder 20 verschiedene Cocktails garnieren zu können. Je nach Einsatz, also etwa am Empfang, als Kellnerin, als Flugbegleiterin im Playboy-eigenen Jet oder im Verkauf von Rauchwaren, gab es zusätzlich spezielle Schulungen.

Besonders wichtig war die Körperhaltung: Die berühmte Bunny-Pose erforderte die geschlossene Haltung der Beine, einen durchgebogenen Rücken und nach hinten geschobene Hüften. War ein Bunny gerade nicht beschäftigt, durfte das Mädchen mit übereinandergeschlagenen Beinen auf der Rückenlehne eines Sofas oder Sessels sitzen, allerdings nicht zu nahe bei einem Kunden. Servierte ein Bunny einen Drink, dann kam der "Bunny Dip" zum Einsatz, eine Bewegung, die vom Playboy Bunny Kelly Collins erfunden worden war: Dazu musste das Mädchen sich elegant zurücklehnen, leicht in die Knie gehen und gleichzeitig das linke hinter das rechte Knie stellen – und das ganze Manöver nur, damit das tief ausgeschnittene Korsett nicht verrutschte und zu tiefe Einblicke gewährte. Falls es Fragen, Unsicherheiten oder sonstiges gab, residierte in jedem Club eine sogenannte "Bunny Mother": Sie beriet in Sachen Haarstyling und Makeup ebenso wie Charme und Umgang mit Kunden.

Playboy Bunnies arbeiteten meist fünf Tage in der Woche und pro Tag acht Stunden und verdienten durchschnittlich 200 Dollar die Woche. Zu Weihnachten und zu Ostern (sic!) hatten die Häschen dienstfrei, denn da waren die Klubs geschlossen. Playboy Bunnies waren auch für karitative Zwecke im Einsatz und sie mussten wöchentlich einen Dollar in den "Bunnies Wohltätigkeitsfonds" einzahlen, der von Playboy Enterprises verdoppelt wurde.

Die in der Broschüre angepriesenen guten Arbeitsbedingungen schienen vielen jedoch zu gut, um wahr zu sein. Die Studentin, Feministin und Journalistin Gloria Steinem wollte es überprüfen: Sie hatte einmal angemerkt, sie würde gerne undercover als Playboy Bunny arbeiten, um das Hefner-Imperium zu infiltrieren. 1963 setzte sie ihr Vorhaben in die Tat um und verbrachte einige Monate als Playboy-Bunny im New Yorker Playboy Club. Der über ihre Erfahrungen veröffentlichte Artikel "A Bunny’s Tale" im "Show"-Magazin erregte damals großes Aufsehen und machte Steinem umgehend berühmt. Sie beschreibt darin die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen der Bunnies und die sexuellen Forderungen, die an sie gestellt wurden. Der Artikel findet sich auch in ihrem Buch "Outrageous Acts And Everyday Revolution" ("Unerhört. Reportagen aus ‚Ms‘") aus dem Jahr 1983. 1985 entstand ein Film über Steinem und ihre Zeit als Playboy Bunny, verkörpert wurde sie darin von Kirstie Alley.

Karrierebeginn als Häschen

Doch keine noch so drastische Wahrheit hielt junge Mädchen davon ab, sich weiterhin als Bunny zu bewerben, um so möglicherweise den Grundstein für eine Karriere vor allem im Showbusiness zu legen. Schauspielerinnen wie Barbara Bosson, Carol Cleveland, Julie Cobb, Janis Hansen, Lauren Hutton, Lynne Moody, Sherilyn Fenn, Patricia Quinn, Kathryn Leigh Scott, Susan Sullivan oder Jacklyn Zeman waren Playboy Bunnies, bevor sie Bühne und Leinwand eroberten. Aber auch andere Karrieren begannen als Häschen: So wurde aus Carol Sharkey, der Mutter von Jon Bon Jovi, ein US-Marine, und Kimba Wood war später US-Bundesrichterin.

Die Zeit der Bunnies und illustren Gäste endete 1988, als der letzte Playboy Club schloss. 2006 versuchte das "The Palms" Hotel und Casino in Las Vegas ein Revival und eröffnete im 52. Stockwerk des Fantasy Tower wieder einen Playboy Club. Die Bunny-Uniform wurde von Roberto Cavalli neu designt, doch der Versuch, den Glamour der 1960er- und 1970er Jahre wiederzubeleben, scheiterte letztendlich – 2012 wurde der Klub wieder geschlossen.

Der Bekannt- und Beliebtheit der Häschen-Outfits tat das alles jedoch keinen Abbruch: So posierte etwa das britische Model Kate Moss im klassischen Bunny-Kostüm auf dem "Playboy"-Cover der Ausgabe Jänner/Februar 2014, mit der gleichzeitig der 60. Geburtstag des Magazins und der 40. des Models gefeiert wurden. In Japan taucht das Bunny-Outfit regelmäßig in Mangas und Animés auf. Da die Bunnies ihre Arbeitskleidung nach Beendigung ihres Dienstverhältnisses zurückgeben mussten, verblieben sämtliche Teile im Besitz von Playboy Enterprises, von denen aber einige in speziellen Auktionen versteigert wurden. Angebote im Internet sind in Sachen Originalität daher wenig vertrauenswürdig. Man kann allerdings zwei Originale aus der Nähe bestaunen - dafür muss man jedoch eine Reise entweder nach Washington D.C. oder nach Chicago machen: Sowohl das Smithsonian als auch das Chicago History Museum haben ein Bunny Outfit ausgestellt.