Egal, ob es am Ostersonntag regnet, schneit, hagelt, stürmt oder die Sonne scheint, auf ihn kann man sich verlassen – der Osterhase bringt auf jeden Fall die Eier. Und versteckt sie natürlich auch. Finden muss man sie allerdings selbst …

Früher musste er nicht die ganze Arbeit alleine machen, da halfen ihm etwa in der Schweiz der Kuckuck und in Deutschland der Fuchs, der Storch oder der Hahn. Doch im 19. Jahrhundert machte der Hase endgültig das Rennen – was vermutlich auch an der Kommerzialisierung lag. Denn mit der Leistbarkeit von Rübenzucker und Kakao fand Schokolade ihren Weg vom Adel zu den Bürgern und die Patissiers kreierten für Ostern Hasenfiguren aus der begehrten Leckerei.

Die Ohren der Dreieinigkeit

Laut Wikipedia wird der Osterhase zum ersten Mal in der Dissertation des Frankfurter Arztes Johannes Richier erwähnt, der bei dem Heidelberger Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau 1682 mit der Abhandlung "De ovis paschalibus – von Oster-Eyern" promoviert wurde. Eier und Hasen galten seit jeher als Symbole der Fruchtbarkeit und des Sieges des Lebens über den Tod, die Verbindung mit Ostern ist also erklärbar, die Funktion des Hasen als "Eierverstecker" allerdings nicht. Diese Frage wird auch in der Dissertation nicht beantwortet, aber es gibt eine Hypothese dazu: So fand man bemalte Ostereier mit dem Dreihasenbild – eine Darstellung von drei Hasen mit insgesamt nur drei Ohren, aber aufgrund der "Doppelverwendung" hat dennoch jeder Hase zwei Ohren; dies ist heute ein bekanntes Symbol für die Dreieinigkeit. Die Verbindung von Ostern, Eiern und Hasen könnte darin also einen Grundstein haben. Aus der Antike kommt die Deutung des Hasen als Sinnbild von Lebenskraft, Wiedergeburt und Auferstehung. Hier ist die Wurzel für Darstellungen im Zusammenhang mit dem christlichen Osterfest, in dem der Auferstehung Christi gedacht wird.

Doch auch abseits von Ostern hatte und hat der Hase stets große Bedeutung: in der Mythologie, in der Malerei und der bildenden Kunst, in der Literatur und im Film. Seine Bedeutung in der Küche wollen wir diesmal allerdings auslassen …

Kunstvolles Symbol

Der Hase oder das Kaninchen ist seit der Antike in der bildenden Kunst ein häufiges Bildmotiv, das in den verschiedenen Kulturen unterschiedliche Bedeutungen annehmen kann. Grundsätzlich wird der Hase häufig mit Mondgottheiten in Verbindung gebracht und verkörpert hier Wiedergeburt und Auferstehung.

Er ist ein Symbol für Fruchtbarkeit und Lust und ist oft Attribut bei Jagd- und Monatsdarstellungen. In der frühchristlichen Kunst, die sich meist auf den "Physiologus" bezieht, ein Werk eines anonymen Autors, das Pflanzen, Steine und Tiere beschreibt und allegorisch auf das christliche Heilsgeschehen hindeutet, kann der Hase eine negative Bedeutung, wie ungezügelte Sexualität und Wollust haben oder eine positive als Sinnbild des steilen Wegs zum Heil.

Bei mittelalterlichen Darstellungen des Hasen ist also aus dem Kontext zu erschließen, ob der Mensch gerade in sein Verderben läuft oder nach dem ewigen Heil strebt. In der nicht-sakralen Kunst der Neuzeit taucht der Hase im gleichen Kontext auf wie in der Antike: als Beutetier der Jäger, auf Monatsdarstellungen von Frühling oder Herbst sowie als Attribut der Venus und Symbol für die körperliche Liebe. Die bekannteste Darstellung, die Studie eines jungen Feldhasen von Albrecht Dürer, hat allerdings keine symbolische Bedeutung – sie diente lediglich einer möglichst genauen, realistischen Erfassung der Natur. Das kann man von Jeff Koons "Rabbit" wohl nicht sagen …

Eine Besonderheit sind die Hasen auf dem Dachfirst des Chores der Wehrkirche von St. Michael in der Wachau: Sie sind nämlich gar keine, sondern die sieben Figuren stellen Hirsche und Pferde dar, werden aber als "Die sieben Hasen von St. Michael" bezeichnet. Laut einer Sage soll es nämlich einst einen strengen Winter mit so viel Schnee gegeben haben, dass die Häuser von St. Michael davon bedeckt waren und der Platz zwischen Kirche und Atzberg vollständig ausgefüllt war. Die Hasen, die vor lauter Hunger im Ort umherirrten, gelangten so auf das Kirchendach und liefen darüber.

Bei so viel Hasen in der Kunst schien es nur logisch, ihnen gleich ein Museum zu widmen. Deren gab es in Europa sogar zwei, eines im deutschen Eppelheim und eines in Bubikon in der Schweiz. Doch sie sind mittlerweile beide geschlossen, das eine wegen fehlender Genehmigung, das andere aus finanziellen Gründen.

Filmstar Hase

So wie in der bildenden Kunst macht der Hase natürlich auch im Film eine gute Figur. Auch wenn ihn gelegentlich nicht jeder sehen kann, wie etwa in "Mein Freund Harvey" nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Mary Chase. Da zieht der schrullige Elwood P. Dowd gerne mit einem 2,10 Meter großen Hasen namens Harvey durch die Straßen, um am Ende in seiner Lieblingsbar zu landen. Doch sein Begleiter ist nur für ihn sichtbar … Die Geschichte endet jedenfalls damit, dass Elwood seiner Einweisung ins Sanatorium entgehen kann und Harvey offensichtlich doch nicht so unsichtbar ist.

Frank dagegen bleibt meist stumm und sein Hasenkopf sieht eher wie eine Totenkopfmaske auf. Die Figur im Hasenkostüm erteilt dem 16jährigen Donnie Darko seltsame Aufträge, bis sich herausstellt, dass alles in einem Tangentenuniversum passiert und Frank dort stirbt. Der düstere, schräge Film von Richard Kelly veranlasste Kritiker und Publikum zu den wildesten Deutungen, von denen keine so richtig greift.

Roger Rabbit ist weder verkleidet noch unsichtbar, sondern eine Zeichentrickfigur, die mit realen Menschen in einem fiktiven Los Angeles lebt. Doch weil er bei der Arbeit unaufmerksam ist, soll der menschliche Privatdetektiv Eddie Valiant herausfinden, ob Jessica ihren Mann Roger Rabbit betrügt. Abgesehen von der irrwitzigen Geschichte ist das Besondere an diesem Film, dass er komplett ohne Computereffekte auskommt.

Das ist bei den neueren Versionen von "Alice im Wunderland" anders: Der Märzhase (der Name kommt von der englischen Redewendung "verrückt wie ein Hase im März") und das weiße Kaninchen in der Realverfilmung von Tim Burton sind perfekte Animationen aus dem Computer.

Auch Bugs Bunny ist eine Trickfigur aus den Warner Studios. Angeblich basiert sie auf "Max Hare" aus dem Disney-Trickfilm "Die Schildkröte und der Hase" aus dem Jahr 1935. In der heute bekannten Form trat Bugs Bunny erstmals 1940 in dem Film "Die Hasenfalle" auf. Es folgten mehr als 150 Zeichentrickfilme, Fernsehserien und Auftritte in Filmen wie "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" oder "Looney Tunes: Back In Action". Seine Markenzeichen sind sein hektisches Gehabe und seine spezielle Art, Karotten zu essen.

Ein ganz besonderer Zeichentrickfilm in der Hasenkategorie ist "Watership Down", zu Deutsch "Unten am Fluss". Er handelt von der Reise einer Gruppe von Kaninchen, die aus ihrem angestammten Zuhause fliehen und im englischen Hügelland Watership Down eine neue Heimat finden. Die Grundlage für den Film, der auf dem gleichnamigen Roman von Richard Adams basiert, ist eine Sage:

Am Anfang schuf der Sonnengott Frith die Welt, die Pflanzen und die Tiere, die zu Beginn alle gleich waren. Doch als sich die Kaninchen immer unkontrollierter vermehren und die Mehrheit übernehmen, will Frith dem Kaninchenfürst El-ahrairah ins Gewissen reden. Der jedoch bezeichnet sein Volk als das stärkste und daher als rechtmäßige Herrscher. Frith will das nicht hinnehmen und gibt jedem Tier nun eigene Eigenschaften – er versieht Wiesel, Fuchs, Falke und Katze mit dem Jagdtrieb, die daraufhin den Kaninchenbestand dezimieren. Doch auch El-ahrairah bekommt Eigenschaften: große Ohren, um Gefahren zu hören und starke Hinterläufe, um schnell fliehen zu können. "Watership Down" ist definitiv kein Film für Kinder, sondern eine verstörende, teils sehr brutale Metapher für Dikaturen, Machtmissbrauch, ungerechte Besitzverhältnisse und die zunehmende Zerstörung der Natur.

Für den beschaulichen Familiennachmittag ist da wohl eher "Peter Hase" ("Peter Rabbit") geeignet. Die Mischung aus Real- und Zeichentrickfilm hat zwar auch den Kampf Mensch gegen Hase zum Inhalt, bleibt aber großteils doch eher auf der romantischen Seite. Bei Fans des Romans von Beatrix Potter kam der Film allerdings nicht sehr gut an.

Diese Aufzählung ist natürlich keineswegs auch nur annähernd vollständig, es fallen einem weitere Filme wie "Zoomania", "Der fantastische Mr. Fox", "Bambi" mit seinem besten Hasenfreund Klopfer, "Keinohrhasen" oder sogar "Im Tal der Osterhasen" ein. Da sieht man, wie fruchtbar so ein Hase sein kann …