Da sind sie also jeden Morgen zur Arbeit unterwegs, mit der U-Bahn, mit dem Auto, vielleicht sogar mit dem Fahrrad. Jeden Tag bewegen sich in den Großstädten Menschenmengen zu den verschiedensten Arbeitsplätzen.

Aber wenn man sie so anschaut, würde man da denken, dass die große Mehrheit derjenigen, die da unterwegs sind, mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden ist? – Trotzdem ist der Befund einer Studie, die das Gallup-Institut in Deutschland im Jahr 2018 durchführte, eindeutig: Vier von fünf Angestellten sind mit der Situation an ihrem Arbeitsplatz unzufrieden, 71 Prozent machen nach eigenen Angaben nur Dienst nach Vorschrift, 14 Prozent haben innerlich schon gekündigt. Nur 15 Prozent sollen sich wirklich wohlfühlen bei der Arbeit, mit der sie immerhin einen großen Teil ihrer Lebenszeit verbringen. In den fast zwanzig Jahren, in denen Gallup regelmäßig die Arbeitszufriedenheit der Deutschen erforscht, hat sich dieser Befund nicht wesentlich verändert und er lässt sich wahrscheinlich einigermaßen direkt auf Österreich übertragen.
Woran könnte es liegen, dass so wenige Menschen mit ihrer Arbeit zufrieden sind? Kann es daran liegen, dass Arbeit ganz grundsätzlich keine Freude macht, dass sich alle ganz grundsätzlich nur nach dem fetten Lottogewinn sehnen?

In der Bibel nachschauen

Man könnte, auch wenn das aus der Mode gekommen ist, zuerst einmal in der Bibel nachschauen: Da lungern Adam und Eva gemütlich im Garten Eden herum, im ewigen Urlaub, viel schöner als das allerschönste Luxusresort jemals sein könnte. Die beiden begehen aber einen entscheidenden Fehler, wie im Alten Testament, Buch Genesis, nachzulesen ist. Statt vorschriftsgemäß beim Buffet des Veranstalters zu bleiben, konsumieren sie auch noch Früchte vom Baum der Erkenntnis. Durch diesen Frevel verwirken sie das Recht auf ewigen Urlaub. Gottvater Jehova tritt auf und verkündet mit donnernder Stimme die Strafe: "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen." Vorbei ist es mit den schönen Tagen im paradiesischen Hide-Away, den beiden wird nichts anderes übrigbleiben, als zu arbeiten, zu arbeiten, zu arbeiten.

Der biblische Text, der vor ungefähr 3000 Jahren niedergeschrieben wurde, geht also gar nicht davon aus, dass Arbeit Spaß machen könnte oder befriedigend sein müsste. Arbeit ist aus dieser Perspektive die Folge der Vertreibung aus dem Paradies, eine Strafe, ein Zustand des Unglücks, was wohl für viele Jahrhunderte der Lebenswirklichkeit der Mehrheit der Menschen entsprach. Ein großer Teil der zum Überleben notwendigen Arbeitsleistung in der antiken Welt wurde von Sklaven erbracht. Im Mittelalter erarbeiteten Bauern im Frondienst das meiste von dem, was die Gesellschaft brauchte. Und die Industrie, die es seit rund zweihundert Jahren gibt, konnte nur wirtschaftlich erfolgreich sein, weil Massen von Besitzlosen froh sein mussten, durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft gerade einmal ihr Überleben zu sichern, oft unter elenden Bedingungen; Kinder, Frauen, Männer, die im 19. Jahrhundert für einen knappen Lohn bis zu 16 Stunden am Tag schufteten.