Wäre irgendjemand je auf die Idee gekommen, sich nach der Zufriedenheit dieser Menschen mit ihrer Arbeit zu erkundigen? Was hätte vor viertausend Jahren eine Meinungsumfrage des Gallup-Instituts unter den Sklaven beim Bau einer ägyptischen Pyramide ergeben?

Systemfehler
Aber natürlich ist seit damals viel Zeit vergangen und man müsste annehmen, dass in einer modernen Welt, in der in vielen Branchen raffinierte Technik viele Arbeitsvorgänge wesentlich erleichtert, die meisten Menschen mit ihrer Arbeit zufrieden sein müssten. Und trotzdem ist das nicht der Fall, wie die Gallup-Studie unterstreicht.

Die Psychologin Claudia Altmann ist von diesem Stand der Dinge gar nicht überrascht. Sie unterstützt Firmen, die das Arbeitsklima in ihrem Betrieb zu verbessern versuchen, und berät auch Einzelpersonen, die mit der Situation an ihrem Arbeitsplatz besser zurecht kommen wollen. Die Erfahrungen aus vielen Gesprächen kann sie in einem einfachen Satz zusammenfassen: "Die meisten sagen, dass ihnen ihre Arbeit Spaß macht, dass aber die Rahmenbedingungen nicht passen."

Wie ist so etwas möglich? Wie muss man sich Rahmenbedingungen vorstellen, die einem Großteil der Beschäftigten, die sich eigentlich engagieren wollen, den Arbeitsalltag vermiesen? – Claudia Altmann beginnt ihre Aufzählung mit dem, was sie "Systemfehler" nennt. Chronische Arbeitsüberlastung und viel zu knappe Ressourcen. "Da gibt es keine Urlaubsvertretung oder man kann sich nicht krank melden, weil niemand da ist, der die Arbeit übernimmt."

Die Informationsflut

Verschärft werden solche Zustände durch die Informationsflut, die neue Technologien mit sich bringen. "Das trifft Jüngere und Ältere gleichermaßen", sagt Altmann. Mails, firmeninterne Chats, Tools wie "What’s App" erzeugen einen Druck, der ständig steigt. Wie schnell muss ich antworten? Welche Informationen sind wirklich relevant? Wann nutze ich welches Medium?

Zu solchen recht offensichtlichen Missständen kommen Faktoren, die versteckter wirken. Da nennt Altmann zuerst "unklare Jobbeschreibungen". Das ist ein Problem, mit dem vor allem Jüngere zu kämpfen haben, die zwar gut ausgebildet sind, aber an ihrem Arbeitsplatz plötzlich mit einer Situation konfrontiert sind, die ihnen völlig unklar erscheint. "Ich habe hier immer wieder selbstbewusste junge Frauen", sagt Altmann, "die in einer solchen Situation ihr Selbstbewusstsein völlig verlieren, weil es kein klares Feedback gibt. Was von ihnen wirklich erwartet wird, können sie nur erahnen. Sehr oft fehlt es an Anleitung und Einschulung." Die Betroffenen sagen dann zum Beispiel: "Wenn keiner sagt, dass ich etwas schlecht gemacht habe, dann wird es passen." Eine Aussage, die die Psychologin sinngemäß immer wieder zu hören bekommt: "Daraus ergibt sich natürlich ein unangenehmes Gefühl, ein chronisches Unbehagen."