Am Pariser Flohmarkt Porte de Clignancourt liegt das Neo-Bistro "Ma Cocotte", das der Stardesigner Philippe Starck gestaltet hat. "Ma Cocotte" bietet gutbürgerliche Küche. Die bunten Zementfliesen, die Bücher in den Regalen und die Atelierfenster tragen hier genauso zum Retrofeeling bei wie das, was schließlich auf den Teller kommt. Auch die (robusten) Gläser von Duralex haben längst die Schulkantinen verlassen und sorgen hier für Vintageflair. Zum Bahnhof Saint Lazare begaben sich die Pariser bis dato meistens nur, um nach Deauville zu fahren. Jetzt entwickelt sich dieser Bahnhof gerade zum neuen In-Treff für Gourmets. Schuld daran ist Sternekoch Eric Frechon, der ausgerechnet hier sein neues Restaurant eröffnet hat: Im "Lazar", einer Bilderbuch-Brasserie mit robustem Porzellangeschirr, Kupferreindln und weißen Tischtüchern, vergisst man spätestens beim Blick in die Karte, dass man sich eigentlich mitten im Bahnhofsgetümmel befindet. Bodenständig und solide, mit Zutaten 100 Prozent made in France: Weißwein aus dem Loiretal, Camembert aus der Normandie und Armagnac als Digestif inklusive. Und einem speziellen Sonntagsmenü "façon grand mère".

Auch im neuen "Bouillon Pigalle", das am Standort einer ehemaligen Fleischerei, der Boucherie "Duval", seine Pforten geöffnet hat, herrscht nostalgisches Flair. Im ehemals verruchten Stadtteil Pigalle sind die blütenweißen Tischtücher adrett rot gepaspelt, die Speisekarte könnte aus den 1950er Jahren stammen: Von "Pot au Feu" bis "Ile flottante" – auch hier werden bodenständige Klassiker aus Großmutters Küche aufgetischt. Lichtjahre von der sogenannten Nouvelle Fusion Food Cuisine mit den mikroskopischen Portiönchen eines gewissen Ferran Adria entfernt.

Spätestens seit offene Küchen bei Innenarchitekten en vogue sind, hat sich auch der Blick aufs Geschirr verändert. Heute wird gerne offen zur Schau gestellt, was früher in Schubladen und Kästen verbannt wurde. Sobald es das Wetter zulässt, heißt es deshalb auch "Le Picnic c’est chic" – nicht nur an der Seine. Die schönen Korbtaschen vom Wiener Label Rosa Mosa sind ideal für ein improvisiertes Picknick. Das französische Traditionshaus Cristofle hat erstmals auch einen Picknickkorb im Programm – ein versilbertes Ei in Größe XL mit Lederriemen und Eicheneinfassung für Besteck und Co. Die beiden Mailänder Schwestern Titti und Mariangela von "Funky Table" räumen mit dem traditionellen Italo-Kitsch auf. Flotte Sprüche auf den bunten, manchmal schrillen Tellern, Gläsern und Tabletts aus Glas oder Keramik sorgen für gute Laune am Küchentisch – egal, was letztendlich auf den Teller kommt.