Doch bevor man sich ins Metro-Abenteuer in der 15-Millionen-Metropole (nach inoffiziellen Schätzungen leben 20 Millionen Menschen in Moskau) stürzt, sollte man zuerst kurz in seinem Hotel durchatmen. Denn Moskau hat so viel zu bieten, dass, egal wie viele Tage man dort verbringt, es auf jeden Fall zu kurz ist. Da sind natürlich die obligatorischen Besichtigungsklassiker wie der Kreml (ist die Fahne aufgezogen, ist Hausherr Vladimir Putin daheim, sagen die Moskauer) samt Lenin-Mausoleum und Rotem Platz, die Basilius-Kathedrale am Ende des riesigen Paradeplatzes und als dekadenter Kapitalismus-Kontrapunkt das Nobelkaufhaus Gum direkt gegenüber dem Kreml-Palast. Das Bolschoi-Theater, dessen Ballett-Aufführungen stets ausverkauft sind, weil die Moskauer bis heute Ballett lieber haben als Oper, das nüchterne, aber nichtsdestoweniger imposante Gebäude der Staatsduma nur wenige Schritte daneben, oder die Lubjanka, das berüchtigte Gebäude, das von 1920 bis 1991 das Hauptquartier, das zentrale Gefängnis und das Archiv des sowjetischen Geheimdienstes in Moskau war. Heute beherbergt die Lubjanka den russischen Inlandsgeheimdienst FSB – und ist immer noch berüchtigt.

Lichtvoller glänzen da die goldenen Kuppeln der Christi-Erlöser-Kathedrale ein paar Straßen entfernt auf der anderen Seite des Kreml, eine von scheinbar unzähligen Kirchen in Moskau. Sie sind durchwegs alle bestens erhalten und gepflegt: "Das liegt daran, dass Staat und Oligarchen der Kirche finanziell kräftig unter die Arme greifen – diese drei Mächte sind hier eng miteinander verknüpft", erklärt Stadtführer Vladimir. "Und die Kirchen werden tatsächlich auch als solche genutzt, die Leute gehen regelmäßig in die Messen. Nur die Basilius-Kathedrale ist heute ein Ikonen-Museum."

Museen für alle und alles

Apropos Museum - wer Freude am Besuch eines solchen hat, dem wird in Moskau garantiert nicht langweilig. Es gibt kein Thema, dem nicht zumindest ein kleines Museum gewidmet ist: Geschichte, Kunst, Künstler, Puppen, Technik, Möbel, Multimedia, jeder findet garantiert etwas für ihn Interessantes. Eine Besonderheit ist das Spielautomaten-Museum in der Kuznetsky most st., 12. Rund 50 Spielautomaten aus der ehemaligen Sowjetunion, sogenannte Arkade-Maschinen, warten auf Spieler. Die Automaten sind alle original und stammen aus den frühen 1970er Jahren bis hin zur Perestroika. Produziert wurden sie von russischen Rüstungsbetrieben, aufgestellt waren sie unter anderem in Parks oder Supermärkten, wo die Menschen für 15 Kopeken pro Spiel (das entsprach damals dem Preis für einen Laib Brot und einen Liter Milch) kurz ihrem Arbeitsalltag entfliehen konnten. Aber nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verloren die Spielautomaten ihren Reiz, später liefen ihnen Computer den Rang ab. Doch das 2007 eröffnete Museum kann sich nicht über Besuchermangel beklagen – Touristen, aber auch Moskauer spielen gerne "Morskoi Boi" (Seeschlacht), "Tankodrom" (Panzerschlacht) oder "Skachki" (Pferderennen). Nostalgie pur…

Zweigeteilt sind die Gefühle in Sachen Nostalgie, wenn es um "Stalins Schwestern", die in Moskau "Stalins Hochhäuser" heißen, geht. Die sieben unübersehbaren Wolkenkratzer aus massivem hellem Stein ließ Josef Stalin als Wohnhäuser für Politfunktionäre, berühmte Künstler und reiche Wirtschaftsbonzen bauen; das erste wurde 1949 eröffnet. Heute findet man nur mehr in zwei davon Wohnungen: "Man kann sowohl mieten als auch kaufen – wenn man es sich leisten kann. Die Wohnungen sind immer noch extrem teuer", sagt Vladimir. In den anderen Hochhäusern befinden sich eine Universität, zwei Ministerien und zwei werden als Hotel genutzt. Alle sind bis heute original erhalten und für viele eine stete Erinnerung an Zeiten, die man am liebsten vergessen möchte.