Es wird alles inszeniert." Der Alpenverein versucht dem mit seiner Kampagne "Unsere Alpen – einfach schön!" entgegenzuwirken. Es geht darum, den Blick wieder auf die Berge an sich, auf das Naturerlebnis zu lenken und die letzten alpinen Feriräume zu bewahren. Zumindest werden für den Sommertourismus so gut wie keine neuen Gebiete mehr erschlossen. Der Alpenverein erklärt das Netz der Wanderwege und Klettersteige in den österreichischen Alpen für abgeschlossen. "Die vorgegebenen alpinen Wege sind so gut, dass wenige Leute abseits unterwegs sind", stellt Kantner fest.

Infrastruktur zieht Müll an
Im Nationalpark Hohe Tauern, dem größten Schutzgebiet in den Alpen, setzt man zudem auf bewusste Besucherlenkung, auch durch geführte Wanderungen mit Nationalpark-Rangern. Helene Mattersberger, Mitarbeiterin in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, sieht im ökologisch sensiblen Hochgebirge aber ohnehin "eine natürliche Auslese ab 2500, 3000 Metern, dass da der Massentourismus gar nicht mehr hinkommt". Überlaufen sind die Alpen aus Sicht des Alpenvereins noch nicht. "Freilich hat da jeder einen anderen subjektiven Eindruck", meint Kantner. "Ein Jäger wird das anders sehen als eine Touristenfamilie. Und in den Naherholungsgebieten rund um die Ballungszentren gibt es natürlich gewisse Hotspots." Es gibt aber keine konkreten Zahlen dazu. Bei den Skitourengehern im Winter wurde mit Erhebungen begonnen, um einmal ein Bild davon zu bekommen, wie viele Menschen sich in unseren Bergen so tummeln.

Im Sommer sind in den Hohen Tauern die Großglockner-Hochalpenstraße samt Pasterze und die Krimmler Wasserfälle jene Ausflugsziele, bei denen fast schon zu viel los ist. Mattersberger verweist in diesem Zusammenhang auf das Nationalpark-Motto "schützen und nützen". Es brauche auch gewisse Punkte, "wo den Leuten die Natur erklärt wird, dafür werden viele Gebiete in der streng geschützten Kernzone in Ruhe gelassen". Sie hat das Gefühl, dass das Gros der Wandertouristen, die in den Nationalpark Hohe Tauern kommen, sich zu benehmen weiß. "Es gibt natürlich immer wieder schwarze Schafe. Besucherbefragungen zeigen aber auch, dass gut 80 Prozent der Touristen wegen des Nationalparks in die Region kommen. Ich denke schon, dass diese Besucher Rücksicht nehmen und gerade dem Thema Naturschutz und Klimawandel sehr aufgeschlossen gegenüberstehen."

Die meisten Wanderer nehmen auch ihren Müll wieder mit ins Tal – mit einigen Ausnahmen: Analysen des Alpenvereins zeigen nämlich, dass rund um Infrastruktureinrichtungen (Parkplätze, Hütten) tendenziell mehr Müll in der Natur liegen bleibt als im freien Gelände, nach dem Motto: "Irgendwer wird den schon wegräumen."

Und was ist mit den vielen Touristenbussen, die im Sommer Tag für Tag zur Pasterze, dem bekanntesten Gletscher Österreichs am Hang des Großglockners, hinauffahren? "Die Touristen, die da von oben aufs Eis hinunterschauen, verursachen den globalen Klimawandel durch den Verkehr mit", meint Mattersberger. Der Klimawandel wird in den Hohen Tauern in verschiedenen Forschungsprojekten dokumentiert. "Erste Ergebnisse bestätigen den Wandel im Ökosystem", sagt sie. "Die Folgen sind noch nicht absehbar …"