"Es gibt kein schlechtes Wetter – es gibt nur falsche Kleidung." Wie oft haben wir diese wenig hilfreiche Weisheit als Kind hören und bei Wind und Wetter ins Freie müssen. Damals, als es bei unerwartetem Regen kein Schlechtwetter-Fernsehprogramm, sondern nur ein Standbild zu bewundern gab. Gleichzeitig durften die wenigsten erfahren, wie richtige Kleidung nun beschaffen sein soll. Erinnerungen an Familien-Sonntagsausflüge beschränken sich bei vielen auf kratzende Pullover, schmerzende und nasse Schuhe, klamme Finger und Schulterschmerzen.

Mit der richtigen Ausrüstung gelingt die Wanderung. - © vetal1983 / stock.adobe.com
Mit der richtigen Ausrüstung gelingt die Wanderung. - © vetal1983 / stock.adobe.com

Doch heute scheint beim Outfit alles einfacher zu sein. Dank boomender Freizeitindustrie bietet der Sporthandel sämtliche Varianten an leichten Rucksäcken, atmungsaktiver, wasserabweisender und zugleich modebewusster Kleidung mit den (auch farblich) passenden Wanderschuhen und -stöcken an. Es gibt alles, was wir wollen und glauben, dringend zu brauchen. Je nach Jahreszeit, Gelände, Klimazone, Höhenlage und Dauer der geplanten Tour gibt es das perfekte Kleidungsstück, das in der Praxis aber erst gefunden werden muss.

Fachliteratur und Online-Ratgeber bieten Outdoor-Neulingen hilfreiche Checklisten für eine erste Orientierung. Denn Wandern ist nicht Wandern. Im richtig gepackten Rucksack eines fürsorglich schleppenden Familienvaters finden sich mit Sicherheit andere Notwendigkeiten als bei einem einsamen (Weit)wanderer, der um jedes Gramm Gewichtsreduktion für seinen geplagten Rücken feilscht. Es macht auch einen großen Unterschied, ob respektive wo übernachtet wird, ob die Route durchs sommerliche Flach- und Hügelland oder ins spätwinterliche Gebirge führt.

Mit einer konkreten Bedarfsliste fällt es etwas leichter, den unverzichtbaren Gang in ein Bergsport-Fachgeschäft zu wagen und gleich zu Beginn des Vorhabens die richtigen Fragen zu stellen – etwa nach dem richtigen Schuhwerk.

Feste Schuhe – fester Tritt

Wer wandert, braucht feste Schuhe von guter Qualität. Das ist einleuchtend und nachvollziehbar. Gleichzeitig gibt es kein Rezept für den "idealen Bergschuh". Wie groß das Angebot ist, lässt die Klassifizierung des deutschen Berg- und Trekkingschuh-Spezialisten Meindl vermuten. Die sechs Kategorien reichen von leichten Wanderschuhen über Wanderschuhe, klassische Trekkingstiefel, schwere Trekkingstiefel und Bergstiefel bis zum Expeditionsstiefel. Daher sollte schon vor der schwierigen Kaufentscheidung geklärt sein, wohin es geht. Erst dann wird probiert (am besten nachmittags mit den richtigen Socken!), im Geschäft ein paar Minuten andächtig marschiert und zum Abschluss nicht knausrig investiert. Denn bei Wanderschuhen zu sparen, ist mit Sicherheit der falsche erste Schritt.
Wer grundsätzlich mit drückenden Wanderschuhen zu kämpfen hat, kann sein beabsichtigtes Wanderglück auch ohne Schuhe versuchen. Einst unterhaltsame Aktivität diverser Wohlfühlseminare, ist das Barfußwandern als alternative, durchblutungsfördernde Fortbewegung zum hippen Erlebnis-trend mutiert. Ohne Schuhe durch feuchtes Gras und über weiche Waldböden zu gehen ist nicht nur aufregend, sondern wird auch von vielen Experten empfohlen. Neben Barfuß-Parcours finden sich bereits markierte Routen für überzeugte Barfußwanderer in diversen Urlaubsangeboten. Empfindlichen Anfängern ist dieses spezielle Naturerlebnis nur auf kurzen Distanzen und auf einfachen Pfaden zu empfehlen. Einen Versuch ist es jedenfalls wert, vor allem mit Kindern.

Wer auf Schuhe nicht verzichtet, darf die passenden Wandersocken nicht vergessen. Alltagssocken am Berg sind mit Sicherheit die falsche Wahl, da sie zumeist zu dünn und wenig belastbar sind. Die Nähte sind zudem idealer Ausgangspunkt für schmerzhafte Schürfstellen und Blasen. Auch hier überraschen die angebotenen Varianten. Bei der Vielfalt an Materialien (Polyamid, Polyester, Elasthan, Merino, Baumwolle etc.) und Spezialanfertigungen tut es gut, auch einfache Tipps zu finden. Dass es etwa Sinn macht, mit zwei Paar Socken zu wandern, um die schmerzhafte Blasenbildung zu verhindern. Erfahrene Bergfexe raten zudem, frisch gewaschene Socken vor der Tour – etwa über Nacht – zu tragen. Die kratzigen Fasern passen sich während des Schlafs der Fußform an. Lästige Druckstellen können so von Anfang an vermieden werden.

Wanderstöcke geben Halt

Weiter geht es in die Abteilung für Wanderstöcke. Sie sind mittlerweile Teil des perfekten Outfits und vor allem auf längeren Strecken geschätzte Wegbegleiter. Sie geben Halt und Sicherheit, beschleunigen das Schritt-Tempo, entlasten die Kniegelenke bei gleichzeitiger Stärkung der Arm- und Rückenmuskulatur. Als Grundeinstellung für Anfänger wird gerne die Faustregel "Körperlänge x 0,68 = Stocklänge" genannt.

Auf sanften Wegen mit wenig Auf und Ab wird ein annähernd rechter Winkel am Ellbogengelenk empfohlen. Bei anspruchsvollen Bergtouren macht die Verwendung von Teleskopstöcken Sinn, die eine individuelle Anpassung der Stocklänge an das Gelände ermöglichen. Bei steilen Anstiegen wird ihre Länge verkürzt, bei Abstiegen entsprechend verlängert. Freunde von Details berücksichtigen noch allfällige anatomische Besonderheiten (etwa die Beinlänge), das Gehtempo, die Dicke der Schuhsohle und spezielle Geländeformen – etwa lange Hangquerungen – mit unterschiedlichen Stocklängen. Im Internet finden sich unzählige Studien mit Spezialtipps und Tabellen für das ultimative Wanderstock-Erlebnis samt hilfreicher Produktvergleiche der wichtigsten Anbieter. Man kann alles übertreiben, aber sparen sollte man auch bei Wanderstöcken nicht. Die billigen Produkte haben oft schlaufenlose Griffe aus hartem Kunststoff statt aus Kork und Schaumstoff. Das kann bei längeren Wanderungen schmerzhafte Blasen auslösen. Und die braucht keiner – sie reichen an den Füßen.

Die Kunst des Rucksack-Packens

Schuhe, Stöcke, Socken – das war erst der Anfang. Auf der langen Liste finden sich noch zahlreiche andere unverzichtbare Notwendigkeiten. Ganz oben steht der Rucksack. Die Vielfalt der Modelle ist nicht mehr zu überblicken. Also macht es Sinn, sich zunächst über den drohenden Inhalt Gedanken zu machen und nicht über Vor- und Nachteile welcher hippen Marke. Autor Stephan Bernau bringt es auf www.bergzeit.at auf den Punkt: "Zum richtigen Packen des Rucksacks gehört nicht nur das Verteilen der Ladung, sondern auch das Managen ihres Gewichts und ihres Volumens. Wer richtig packen will, muss – so ist es leider – auf unheimlich viel achten." Neben der Beschränkung des Gesamtgewichts auf maximal 25 Prozent des Körpergewichts (was für Ungeübte sehr viel ist!) entscheidet vor allem die Verteilung der Last über Wohl- und Unwohlsein. So sind leichte Inhalte wie Daunenjacke und Schlafsack im Bodenfach, schwere Lasten wie Proviant in Schulterhöhe möglichst körpernah zu verstauen. Kleinigkeiten, die häufig gebraucht werden, sind im Deckelfach griffbereit unterzubringen. Denn nichts ist nerviger, als ständig herumkramen zu müssen und im heillosen Durcheinander binnen kürzester Zeit nichts mehr zu finden.

Und es geht munter weiter: Anorak, Wanderhose, Verpflegung – allein diese drei wichtigen Bergbegleiter füllen ganze Bücher. Ganz zu schweigen von den unverzichtbaren "Kleinigkeiten" wie Höhenmesser, Kompass, Trinkflasche, Stirnlampe, Proviant, Notfall-Apotheke und Biwak-Sack.

Bevor noch vor dem ersten Schritt ins Freie Mutlosigkeit die Oberhand gewinnt, empfiehlt sich zum Einstieg eine kurze Tour mit erholender Einkehr ohne große Schlepperei. Bei neuen Bergschuhen sollten zum Eingewöhnen ohnehin moderate Schnupperstrecken gewählt werden, die wohl überlegt sein sollen. Denn ohne gründliche Vorbereitung der Route nützt bekanntlich die beste Ausrüstung nichts. Doch das ist eine andere Geschichte.